Category: Beratungsmarkt
McKinsey in Zahlen: Geschäftszahlen der Managementberatung im Überblick

Seit dem Jahr 2008 hat die Unternehmensberatung McKinsey keine Geschäftszahlen für Deutschland mehr veröffentlicht. Für den Aufmacherartikel „Inside McKinsey“ der Dezember-Ausgabe 2015 recherchierte das Manager Magazin wichtige Kennzahlen. Demnach hat McKinsey in Deutschland im Jahr 2012 einen Jahresumsatz von 850 Mio. Dollar erwirtschaftet. In den folgenden beiden Jahren konnten die Meckies den Umsatz hierzulande zumindest auf Dollar-Basis kaum erhöhen. Erst im aktuellen Jahr scheinen sie wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt zu sein. Der auf Basis der Halbjahreswerte geschätzte Jahresumsatz 2015 soll laut Recherchen des Manager Magazins 960 Mio. Dollar erreichen.

 

McKinsey Revenues Germany Northamerica worldwide

Jahresumsatz der Managementberatung McKinsey in Deutschland, Nordamerika und weltweit von 2012 bis 2015

 

McKinsey Umsatzzahlen nach Branchen

Treiber des Wachstums ist 2015 insbesondere die Fertigungsindustrie mit 146 Mio. Euro Jahresumsatz und einem Anteil von 31 Prozent, während die Branche Banken und Versicherung von 108 auf 78 Mio. Euro regelrecht eingebrochen ist und nach Energie und Chemie (91 Mio. Euro Umsatz) 2015 nur damit noch die drittwichtigste Branche für die McKinsey Berater in Deutschland ist.

 

Revenues by sectors and industries

Umsatz nach Branchen der Consulting Firm McKinsey

 

Umsatzrenditen von 30 bis 44 Prozent

Im internen Vergleich sind die Margen in Deutschland geringer als weltweit. Waren Nordamerika und Deutschland im Jahr 2012 mit 35 Prozent Umsatzrendite gleichauf, erwirtschaften die nordamerikanischen McKinsey Berater heuer mit 44 Prozent deutlich höhere Renditen als ihre deutschen Kollegen mit – vergleichsweise – geringen 30 Prozent. Bitter für die deutschen Meckies: ihre Aufbauhilfe in anderen Ländern war in den vergangenen Jahren so erfolgreich, dass heute weltweit höhere Umsatzrenditen erzielt werden als zwischen München und Hamburg.

Umsatzrenditen der McKinsey Consultants im Vergleich

Umsatzrenditen innerhalb McKinsey im Vergleich

Hohe Kosten in Deutschland

Laut Manager Magazin gibt es zwei Gründe für die geringe Profitabilität: Erstens den harten Wettbewerb in Deutschland, den vor allem das deutsche McKinsey Team als Grund anführt, und zweitens die höheren Kosten pro Berater. So verursacht ein deutscher Consultant im Schnitt 146.000 Dollar Kosten und ein amerikanischer McKinsey-Berater nur 89.000. Gemeint sind hier allerdings nicht die Berater-Gehälter, sondern nur die sonstigen Kosten zum Beispiel für Büro, Reisen, Verwaltung und Research.

Insgesamt sind die Geschäftszahlen der Managementberatung McKinsey spannend.  Ebenso spannend wie der interne Machtkampf zwischen den Nordamerikanern und den Deutschen im bekanntesten Consulting-Unternehmen der Welt. Die beiden Journalisten Dietmar Student und Michael Freitag haben diesen in der Dezember-Ausgabe des Manager Magazins sehr ausführlich analysiert und daraus einen lesenswerten Artikel gemacht. Immerhin – so möchte man beim Lesen über interne Machtkämpfe und Effizienzprogramme denken – ist das alles den Managementberatern von McKinsey nicht fremd, wenn auch aus einer anderen Perspektive.


Consulting 4.0 – Die Digitale Revolution in der Unternehmensberatung

Die Digitalisierung hat die Consulting-Branche erfasst. Inzwischen redet jeder Managementberater von Industrie 4.0, Digitaler Transformation und Big Data. Welche Folgen hat die Digitalisierung konkret für Berater?

Die Digitale Revolution wird die Beratungsindustrie dramatisch verändern. Laut einer aktuellen Studie der Personalberater von LAB Consulting erwarten 78 Prozent der befragten Consultants, dass die Digitalisierung Beratungsportfolio, Geschäftsmodelle und Prozesse in den kommenden 5 Jahren stark oder sehr stark verändern wird.[1]

Marcel Ramin Derakhchan, Geschäftsführender Gesellschafter LAB & Company: „Damit bestätigen sich frühere Ergebnisse unserer Umfragen: Kein Unternehmen kann sich der Digitalisierung entziehen.“

Seit Arthur D. Little 1886 die erste Unternehmensberatung gegründet hatte, haben neue Technologien zwar stets das Beraterleben bereichert – hier sind vor allem Mobiltelefone, Notebooks und Präsentationssoftware zu nennen -, aber die eigentlichen Prozesse der Beratung und der Beratungsunternehmen haben sich nur graduell verändert. Dieses Mal ist es anders. Ähnlich wie sich die produzierende Industrie digitalisiert, wird sich auch die Unternehmensberatung digitalisieren. Analog zu Industrie 4.0 spreche ich daher von Consulting 4.0. Consulting 4.0 hat in vier Dimensionen Auswirkungen auf das Beratungsgeschäft:

1. Digitalisierung der Beratungsthemen

Nachdem die meisten der Absatz- und Beschaffungsmärkte weltweit erschlossen wurden, sind Wachstum und Effizienzsteigerungen in Unternehmen heute vor allem durch neue Technologien machbar. eBusiness, Web 2.0, Industrie 4.0, Big Data und Augmented Reality gilt es für die Klienten nutzbar zu machen und in neue Geschäftsstrategien und –prozesse einzubeziehen. Für die Consultants bedeutet die Digitale Revolution, Innovationen nicht nur den Innovationsberatern zu überlassen, sondern diese technologischen Neuerungen in Strategie-, Organisations- Prozess-, und IT-Beratung über alle funktionalen Bereiche vom Einkauf, Produktion bis Marketing & Vertrieb für den Kunden nutzbar zu machen. Nicht umsonst wünschen sich viele Unternehmen mehr Vordenkertum & Innovation von den Beratern.[2] Wenn sich klassische Strategie- und Prozessberater nicht darauf einstellen, werden IT Berater und spezialisierte Beratungen diese innovativen und damit sehr lukrativen Themen besetzen. Die Experten von Sourceforconsulting beobachten schon heute, dass renommierte IT-Berater zunehmend zur Konkurrenz für Strategieberater werden, wenn es um die Entwicklung digitaler Strategien geht. Einige Strategieberatungen haben inzwischen mit der Gründung von digitalen Geschäftsbereichen und Joint Ventures reagiert, um ihre digitale Kompetenz auszubauen.

2. Digitalisierung der Beratungsprozesse

Der Schuster trägt die schlechtesten Schuhe, heißt es. Ein Berater für digitale Transformation und Industrie 4.0 ohne eigene praktische Kenntnisse moderner digitaler Technologien wird es allerdings schwer haben. Consultants sind daher gut beraten, auch im eigenen Unternehmen für eine durchgängige Unterstützung der Geschäftsprozesse und für den Einsatz moderner IT Instrumente zu sorgen. In Effizienzsteigerung und Verbesserung der Kommunikation mit ihren Klienten sehen Berater laut LAB das größte Optimierungspotential durch die Digitalisierung.

In vielen Beratungsunternehmen ist noch ein hoher manueller Aufwand entlang der gesamten Wertschöpfungsprozesse nötig: Oft existiert kein zeitgemäßes CRM System zur effizienten Ansprache der Klienten, ein effektives Corporate Facebook zum Austausch von Informationen ist nicht vorhanden oder wird nicht verlässlich genutzt. Last but not least erfolgt keine einfache Zeiterfassung auf dem iPhone mit automatisierter Schnittstelle zum Rechnungsstellungsworkflow und einer Anbindung der Reisebuchung zwecks Übernahme der Reisekosten. Viele Prozesse im Consulting könnten heute mit Hilfe von Apps und einer integrierten Cloudlösung schon deutlich effizienter und eleganter ablaufen, um wertvolle Beraterzeit einzusparen.

Beispielsweise ist es heute möglich, passende Beraterprofile einfach anhand relevanter Skills und Branchenkompetenzen über eine App direkt auf dem Smartphone zu selektieren. In der Beratungswirklichkeit erfolgt dieser Prozess auch schon einmal mit internen Rundmails an den Unternehmensverteiler.

3. Digitalisierung des Beraterwissens:

Wissen – die Hauptressource von Beratern – wird zunehmend verfügbar und über Smartphones und Tablets von jedem jederzeit nutzbar. Wissen wird immer mehr zu Commodity. Anbieter wie Amazon, Apple, Facebook, SAP und insbesondere Google verfügen über exzellente Daten, die früher nur durch aufwändige Research-Arbeit gesammelt werden konnten. Durch die Zahl der Suchfragen bei Google kann man heute schon Tendenzen bzgl des Absatzes eines Fahrzeuges in wenigen Monaten erkennen.

Auch die Vernetzung von Fachleuten – früher eine der Kernkompetenzen der klassischen Unternehmensberatung, wenn nicht gar der USP – erfolgt heute über digitale Business-Netzwerke. Mussten bei Fachfragen früher externe Berater beauftragt werden, so ist dies heute über Wikis und Web 2.0 für Unternehmen deutlich einfacher geworden. Auch wenn es hochqualifizierte Berater nicht ersetzt, so werden Klienten deutlich besser informiert sein und den Consultant stärker herausfordern. Der Trend zu einer hohen Spezialisierung von Wissen wird sich weiter fortsetzen, die Halbwertzeit von Know-how wird sich weiter verringern. Andererseits bekommen einzelne Experten auch schnell Zugang zu einem weltweiten Markt. Unternehmensberatungen müssen sich – ähnlich der Make-or-Buy-Frage von Automobilunternehmen – die Recruit-or-Staff-Frage stellen: Muss ich ein Expertenteam aufbauen bzw. einstellen oder reicht es, dieses Know-how bei Bedarf einzukaufen. Die sogenannte Fertigungstiefe kann auch bei Beratungen gesenkt werden, da Wissensträger nicht im Unternehmen vorhanden sein müssen. Das entstehen von Beratermarktplätzen, digitalen Consulting-Plattformen und –Netzwerken wie zum Beispiel www.newcoventure.com eröffnet hier für klassische Beratungen ganz neue Möglichkeiten. Außerdem können sich immer mehr erfahrene Managementberater vorstellen, als Freelancer zu arbeiten, wie der Consulting-Monitor 2015 von OdgersBerndtson ergeben hat.

4. Digitalisierung der Beratungsgeschäftsmodelle

Unternehmensberatungen müssen sich vor dem Hintergrund der Digitalen Revolution die Frage stellen, ob das klassische Erlösmodell auf Stunden- bzw. Tagesbasis noch zeitgemäß ist. Insbesondere B2C Branchen wie Banken, Versicherungen, Handel, Medien- und Musikindustrie waren in den vergangenen Jahren gezwungen, sich auf die zunehmende Transparenz durch das Internet einzustellen. Inzwischen führen in der Beratung digitale Content-Plattformen wie consultancy.uk und Auswahl-Portale wie consultingsearcher.com zu mehr Transparenz. Markteintrittsbarrieren sinken weiter und könnten neue Mitspieler auf den Markt rufen:

4.1. Peer2Peer Beratung: Durch eine bessere Vernetzung von Experten über Unternehmensgrenzen hinweg bspw. über Online-Business-Netzwerke kann das Modell der Peer2Peer Beratung an Einfluss gewinnen wie vistage.com zeigt. Ein Geschäftsführer eines Maschinenbau-Unternehmens kann sich so zum Beispiel mit anderen Geschäftsführern austauschen und beraten lassen.

4.2. Freelancer: Durch die höhere Markttransparenz kann es für Unternehmen leichter sein, kleine spezialisierte Beratungen oder freiberufliche Berater zu beauftragen. Durch Bewertungssystematiken und Empfehlungsmarketing wird die Unsicherheit bzgl. Qualität in Zukunft reduziert.

Daniel Nehrlich, Autor des Consulting Monitor 2015 von OdgersBerndtson: „Doch es gibt auch neue, ernst zu nehmende Konkurrenz in der Arena: Online- Plattformen für Freelancer schicken sich an, Unternehmensberatern den Sprung in die Selbstständigkeit durch höhere Transparenz zu erleichtern. Bereits heute stellen die Befragten fest, dass Freelance-Consulting eine Arbeitsform ist, die sich etablieren und den Markt dauerhaft ergänzen wird.“

4.3. Crowdconsultants: Berater können sich zu Berater-Netzwerken zusammenschließen, die durch die Möglichkeiten der modernen IT zu professionellen virtuellen Unternehmensberatungen heranreifen können und damit in Zukunft ein ernsthafte Wettbewerb zur klassischen Unternehmensberatung darstellen werden. Diese Idee vertritt das Consulting 4.0 Startup NEWCOVENTURE. Laut Consulting-Monitor 2015 von OdgersBerndtson stimmen 41 Prozent der These zu, dass Online- Freelance-Plattformen künftig den klassischen Consulting-Firmen spürbar Marktanteile abnehmen werden.[3]

4.4. Neue Mitspieler: Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook haben heute sehr gute Informationen zu Kaufverhalten, Demographie, Logistikströmen etc. Es ist denkbar, dass diese Daten aggregiert genutzt werden können, um sie Unternehmen zum Beispiel zur Optimierung ihrer Werbung oder Absatzplanung zur Verfügung zu stellen. Google bietet schon heute mit thinkwithgoogle.com umfangreiche Daten und Studien zur Verfügung.

Die Digitalisierung bietet also einerseits viele neue Betätigungsfelder für Consultants, andererseits müssen sich klassische Beratungsunternehmen mit den Folgen für die eigene Organisation auseinandersetzen.

Fazit: Wie sich Beratungsunternehmen auf Consulting 4.0 einstellen

Consultants können sehr profitieren, wenn sie die Herausforderungen annehmen und die Möglichkeiten der digitalen Welt konsequent nutzen. Das heißt, das ubiquitous Internet zu Ende zu denken, schnell sein und global agieren. Beratung ist zwar People Business, dennoch kann eine Digitalisierung die Beratungsunternehmen effizienter machen und Vorteile in der Qualität bringen wie zum Beispiel:

  • Customer Intimacy: Eine genaue Kenntnis der Zielgruppen, Accounts und Kontakte ist auch für Berater erfolgskritisch. Durch eine Digitalisierung und Vernetzung der kundenbezogenen Aktivitäten eine Unternehmensberatung kann auch im Bereich der Geschäftskunden die Transparenz deutlich erhöht und Kundenanforderungen besser erkannt werden. Außerdem führt dies dazu, dass Informationen über Kunden nicht nur in den Köpfen einzelner Mitarbeiter gespeichert werden, sondern dem Beratungsunternehmen zur Verfügung stehen.
  • Product Leadership: Das Wissen der Berater sollte möglichst in einem Wissenspool der Unternehmensberatungen verfügbar sein und diese unstrukturierten Informationen durch leistungsfähige Suchmaschinen auffindbar sein. Wenn Ideen und Konzepte über Corporate Social Networks entwickelt werden, kann die Unternehmensberatung dieses Wissen leichter speichern, nutzen und weiterentwickeln. Außerdem kann eine interne Skillbewertung bei mittleren und großen Organisationen für eine bessere Zusammenstellung der Beraterteams sorgen. Last but not least können per mobile Marktplätze leichter externe Experten einbezogen werden.
  • Operational Excellence: Die Beratungsprozesse und die unterstützenden Prozesse werden sich digitalisieren. Zwar bleibt der persönliche Kontakt wichtig, zum Beispiel um Vorstände, Führungskräfte und Mitarbeiter bei Veränderungsprozessen zu überzeugen – aber er ist zum Beispiel bei Analysetätigkeiten oder Schulungen nicht immer nötig. Es geht darum einen intelligenten Mix zu gestalten. Auch die administrativen Prozesse wie Zeiterfassung, Reisekostenabrechnung, Rechnungsstellung aber auch das Staffing können drastisch vereinfacht und beschleunigt werden.

Es gibt durch Consulting 4.0 so viel Verbesserungsmöglichkeiten und Chancen für Wachstum bei Klienten und Beratern. Angesichts der zunehmenden Marktreife und des hohen Wettbewerbsdrucks werden die Unternehmensberatungen erfolgreich sein, welche die Digitale Revolution in all ihren vier Dimensionen konsequent nutzen, sich zu verbessern und den meisten Mehrwert für die Klienten zu erzeugen. Consulting 4.0 wird daher die Karten im Beratermarkt neu verteilen.

[1] 2. LAB Consulting Barometer, LAB & Company, Juni 2015. Download der Studie

[2] Studie Hidden Champions des Beratungsmarktes, WGMB 2012

[3] Consulting Monitor 2015, OdgersBerndtson 2015. Download der Studie


Der deutsche Beratermarkt wächst – sechs Trends im Consulting 2015

Inzwischen haben die wichtigsten Analysten des Beratermarkts ihre Studien und Analysen zum deutschen Consulting-Markt veröffentlicht. Consultingmarket.de hat die wichtigsten Ergebnisse von BDU, Lünendonk, Sourceforconsulting und Co. zusammengetragen und daraus die sechs wichtigsten Trends ermittelt:

  1. Vivat, crescat, floreat: Der deutsche Beratermarkt bleibt ein Wachstumsmarkt

Der deutsche Consulting-Markt wächst ungebrochen. 2014 ist der deutsche Beratermarkt mit einem Volumen von 25,2 Milliarden Euro (+6,4 Prozent) drittgrößter Beratermarkt der Welt. Etwa 106.000 Unternehmensberater (+8,3 Prozent) arbeiten laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) in knapp 15.400 Beratungsfirmen. Insgesamt waren rund 130.000 Mitarbeiter in der deutschen Consultingbranche beschäftigt.

Sourceforconsulting kommt auf ähnliche Wachstumszahlen (+6,5 Prozent), beziffert die Größe des Marktes allerdings auf lediglich 8 Milliarden Euro für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Der Ausblick bleibt gut. Insgesamt rechnen die Berater laut Lünendonk für 2015 mit einem Wachstum von mehr als 9 Prozent, die großen Consulting-Unternehmen sogar mit 10,6 Prozent. Die Analysten von Sourceforconsulting prognostizieren eine Steigerung von rund 8 Prozent.

Die aktuellen Marktzahlen für 2015 und Trends für 2016 finden Sie hier: Beratermarkt 2015/2016.

  1. Der Weizen trennt sich vom Spreu: Der Beratermarkt teilt sich zunehmend in innovative Top-Berater und umsetzungsorientierte Commodity-Beratung.

Premium-Marken sind auch in der Beratung erfolgreicher als andere. Die zehn größten deutschen Management-Consultants wie Simon-Kucher und Horvath waren laut Lünendonk 2014 mit einem Umsatzwachstum von 9,2 Prozent noch erfolgreicher als der Markt. Einzige Ausnahme war der dramatische Umsatzeinbruch von Roland Berger mit einem Minus von 25 Prozent. In Summe erzielten die Top 10 der deutschen Managementberatungen mit 7.100 Mitarbeitern 1,1 Milliarden Euro Umsatz im In- und Ausland. Über die größten internationalen Managementberatungen in Deutschland liegen leider keine verlässlichen Angaben vor, da zum Beispiel McKinsey keine Geschäftszahlen publiziert. Sie dürften aber bei etwa 500 bis 600 Millionen Euro liegen.

Damit manifestiert sich ein Trend, den bereits Prof. Dietmar Fink in seinen regelmäßigen Studien festgestellt hat: Vordenkertum wird den Klienten immer wichtiger, Umsetzungsfähigkeit verliert an Bedeutung und ist heute Commodity.

Sourceforconsulting sieht hier eine klare Zweiteilung: „Like many other mature markets, the bifurcation between what we call ‘luxury’ and commoditised consulting is putting pressure on firms that still try to do it all and causing many to consider which part of the market to pursue.“

  1. Der Beratermarkt bleibt fragmentiert: Keine Managementberatung hat mehr als 5 Prozent Marktanteil

Es redet zwar immer noch jeder mit jedem über eine mögliche Fusion, aber zu großen M&A Transaktionen ist es im Jahr 2014 nicht gekommen. Roland Berger ist unabhängig geblieben. Die führende deutsche Beratung muss nun ihre Rolle finden. Denn der Markt hat sich in vier Bereiche aufgespalten: die renommierten internationalen Strategieberater (McKinsey, Boston Consulting und mit etwas Abstand Bain), die internationalen oder regionalen Spezialberatungen (Alix Partners, Simon-Kucher), die Full-Sortimenter (Accenture, PWC) und die kleinen Beratungen oder Freelancer.

Vergleicht man die größten Managementberatungen mit dem Gesamtmarkt, fällt auf, dass es trotz eine gewissen Konsolidierung kein Player auf mehr als 5 Prozent des Gesamtmarktes schafft. Die internationalen Branchengrößen wie McKinsey und BCG erwirtschaften alleine nicht mehr als 3 bis 4 Prozent Marktanteil. Die größten Beratungshäuser aus deutschen Landen stellen zusammen mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro nur 4,4 Prozent des Gesamtmarktes dar.

  1. Technik treibt das Business: Die Consulting-Branche hat einen großen IT-Anteil

IT hat einen hohen Stellenwert im Beratermarkt, so ist der Markt für IT-Consulting deutlich größer als der für Managementberatung. In Summe erwirtschafteten die Top-25-IT-Beratungen laut Lünendonk 9,8 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland (2013: 9,5 Milliarden Euro). Sie decken damit etwa ein Viertel des deutschen IT-Dienstleistungsmarktes ab. Insgesamt beschäftigten die Top 10 der IT-Berater in Deutschland 33.639 Mitarbeiter – deutlich mehr als die zehn größten deutschen Managementberater mit rund 7.100 Mitarbeitern.

Es überrascht, dass es immer noch diese starke Trennung zwischen IT- und Management-Consulting gibt. Denn in den vergangenen Jahren wird das eine ohne das andere immer schwieriger. D.h. Business Consulting ohne IT Kompetenz bzw. IT Consulting ohne Verständnis der Geschäftsprozesse sind heute undenkbar. Vor allem vor dem Hintergrund der Digitalisierung.

  1. Die Digitalisierung ist ein Mega-Trend – meist nur in der Theorie, aber neue digitale Unternehmensberatungen entstehen

„Die Digitalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen in der deutschen Wirtschaft und Industrie beflügeln zunehmend die Geschäftsentwicklung der Unternehmensberaterbranche“, so der BDU. Allerdings sehen die Analysten von Sourceforconsulting diesen Trend skeptischer: „There’s a lot of talk about digital and what it means for clients in the DACH region, but little has translated into action yet. Clients here are particularly interested in ‘digital on the inside’ and what Industry 4.0 can mean for them, but the role of consultants here is to make the market, to turn that talk into solid projects and programmes.“

Das gleiche gilt übrigens bei der Digitalisierung der Beratungsunternehmen selbst. Es werden fleißig Tochtergesellschaften, Digital Labs, Digital Think Tanks sowie Geschäftseinheiten für Digitale Themen gegründet, in der Nutzung digitaler Technologie bleiben die meisten Unternehmensberatungen allerdings hinter ihren amerikanischen Wettbewerbern oder auch ihren innovativen Klienten zurück, das hat nicht zuletzt eine Analyse zur Nutzung von Social Media in Managementberatungen von consultingmarket.de gezeigt.

Gerade in den vergangenen Monaten entstehen neue digitale Unternehmensberatungen wie die NEWCOVENTURE (das startup des Blog-Autors), COMATCH, Project Champs, The Vetted. Hier wird wahrscheinlich ein eigenes Segment von Consulting 4.0 Firmen heranwachsen. Die digitalen Unternehmensberatungen werden – zumindest laut NEWCOVENTURE – konsequent auf das Internet als Vertriebs- und Rekrutierungskanal setzen und durch Anwendung digitaler Technologie die Beratungsqualität sowie die Effizienz der internen Prozesse verbessern.

  1. Der War for talents tobt – klassische Unternehmensberatungen konkurrieren bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter immer mehr mit Industrieunternehmen, Spezialberatungen und Netzwerken.

Der Beruf des Unternehmensberaters scheint ein wenig an Glanz verloren zu haben – nicht zuletzt weil es inzwischen viele Consultants gibt und die Arbeit in der Industrie sich mit spannenden Projekten und einer ausgeprägten Reisetätigkeit angeglichen hat. Dabei benötigen die Beratungsunternehmen weiterhin gute Mitarbeiter. „Die Beratungen hätten teilweise noch stärker wachsen können, allerdings geht der Fachkräftemangel auch nicht spurlos an den Beratungsunternehmen vorbei. Über 90 Prozent der für die Lünendonk®-Studie befragten 67 Beratungen sehen in der Rekrutierung von geeigneten Fachkräften die größte Herausforderung für ein noch stärkeres Wachstum heute und in den kommenden Jahren“, kommentiert Jonas Lünendonk, geschäftsführender Gesellschafter und Studienautor, die Situation.

Auch der Consulting-Monitor 2015 von Odgers Berndtson unterstreicht die nachlassende Attraktivität der Consulting-Karriere. Viele der befragten Senior-Berater liebäugeln mit einem Wechsel in die Industrie (67 Prozent). Daneben hat auch die Arbeit als Freelancer deutlich an Attraktivität gewonnen: Im Vergleich zu 2014 konnte diese flexible Arbeitsform um sechzehn Prozentpunkte gewinnen und liegt mit 38 Prozent nun auf dem dritten Platz der angestrebten Positionen. „Dieser Trend verstärkt sich, wenn die junge Beratergeneration mit dem Wunsch nach flexibleren Arbeitsbedingungen auf höhere Transparenz und geringere Risiken im Freelance-Markt stößt. Neuartige Online-Freelance-Marktplätze beabsichtigen, in diesem Kontext einen Mehrwert zu liefern“, sagt Daniel Nerlich, Manager bei Odgers Berndtson und Leiter der jährlichen Studie.

Fazit: Die Berater müssen nicht nur die Probleme ihrer Klienten lösen, sondern auch ihr eigenes Geschäftsmodell überdenken. Denn die wichtigsten Herausforderungen sind Digitalisierung, Commoditisierung, Konsolidierung und Fachkräftemangel. Sicher scheint nur eines zu sein – dass der Beratermarkt weiter wächst.

Die aktuellen Zahlen zum Beratermarkt für 2015 / 2016

Die aktuellen Marktzahlen für 2015 und Trends 2016 finden Sie hier: Beratermarkt 2015/2016.

Die wichtigsten Studien zum Beratermarkt und der Consulting-Branche

Die Presseinformation zum deutschen Beratermarkt des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU

Die Presseinformation zu den Top-Managementberatungen von Lünendonk

Die Publikation von Sourceforconsulting

Die Managementberatungs-Studie von Prof. Fink und dem Manager Magazin

Der Consulting-Monitor von Odgers Berndtson

DACH Consultingmarket 2015, Video mit Ed Haigh, Director von Source

 

Weitere Artikel zum Thema Unternehmensberatung

Das Handelsblatt über die Digitalisierung in der Beratung

Der Tagesspiegel zum Beratermarkt

Die FAZ über McKinsey

 

 


Personalberater Ranking: Die größten Headhunter im Land

Die Branche der Personalberater ist diskret. Nur zwei der größten zehn Headhunter veröffentlichen einen Jahresbericht, nur eine Firma war bereit, Umsatzzahlen zu nennen. Das hat eine Marktübersicht der deutschen Headhunter von consultingstar.com ergeben, die sich vor allem auf Schätzungen bezieht. Demnach ist Egon Zehnder mit mehr als 83 Mio. Euro der führende Personalberater in Deutschland. Es folgen Kienbaum und Spencer Stuart. Insgesamt gibt es laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU)  2.000 Personalberatungen mit 5.800 Mitarbeitern in Deutschland. Sie erwirtschafteten 2014 insgesamt 1,7 Milliarden Euro Honorarumsatz, was ein Plus von 5,7 Prozent darstellt. Damit haben die zehn größten Personalberater mit insgesamt 247,5 Mio. Euro Honorarumsatz nur einen Marktanteil von knapp 15 Prozent.

Headhunter Ranking Germany 2014

Top Headhunter in Deutschland 2014

Insgesamt nimmt auch in der Personalberatungsbranche der Konkurrenzdruck zu. Rainer Steppan nennt in seinem Artikel die angelsächsischen Recruiter, Franchise-Unternehmen und die zunehmende Personalsuche in Eigenregie. Darüber hinaus sind die Sozialen Netzwerke wie Xing und Linkedin mächtige neue Wettbewerber. Durch ihren Datenstamm, ihre Reichweite und ihre Algorithmen scheinen sie – zumindest im Massengeschäft – gegenüber den klassischen Headhuntern klar im Vorteil. Da verwundert es nicht, dass Personalberater intensiv an digitalen Modellen arbeiten. Wer bei Executive Search 4.0 vorne sein wird, wird sich zeigen.


Arbeitgeber Ranking IT Consulting: Steeb und MHP sind die besten IT Beratungen

All for One Steeb und MHP gefolgt von Adesso und Accenture sind die besten Arbeitgeber unter den IT Beratungsunternehmen in Deutschland. Das hat unsere Analyse auf Basis der Bewertungen auf dem Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu ergeben. Wir haben dazu am 26. Mai alle in der Lünendonk-Liste aufgeführten Top 25 IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen in Deutschland herangezogen und ihre Bewertungen auf Kununu verglichen. Kununu ist ein Bewertungsportal, auf dem Arbeitnehmer ihre Arbeitgeber anonym bewerten können.

Arbeitgeber Ranking der IT Consulting Unternehmen in Deutschland
Die Top 25 IT Beratungen in Deutschland und ihre Kununu-Bewertungen

IT-Berater sind weniger zufrieden als Managementberater

Insgesamt schneiden die IT Consulting-Unternehmen in der Beliebtheit der Arbeitnehmer mit einem Schnitt von 3,42 schlechter ab als die deutschen Managementberatungen mit 3,63. Während die Managementberatung d-fine auf 4,54 und Simon-Kucher noch auf 4,27 bei Kununu kommen, liegen die besten IT-Beratungen bei Werten von 4,09 (Steeb) und 4,06 (MHP). Hier geht es zum Ranking der Managementberatungen: Consulting-Ranking

Veränderung bei Accenture

Interessant ist das Abschneiden von Accenture und Capgemini, da beide auch in unserem Ranking der besten Managementberatungen vom Februar aufgeführt werden. Während Capgemini nahezu unverändert bei 3,48 (Februar 3,43) liegt, hat sich Accenture um 0,49 auf 3,85 verbessert.  Dies mag auch an der Zusammenführung von Bewertungen liegen, die seitdem auf Kununu erfolgt ist. Das hat zum Beispiel auch zur Folge, dass T-Systems als Arbeitgeber nicht getrennt ausgewiesen wird, sondern nur die Deutsche Telekom als Ganzes bewertet wird.

Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu bietet den besten Überblick

Die Analyse der Kununu-Bewertungen bietet im Gegensatz zu den herkömmlichen Arbeitgeber-Rankings und -Wettbewerben einen transparenten Überblick über alle führenden IT Beratungen in Deutschland. Denn bei den Arbeitgeber-Wettbewerben nehmen nicht alle wichtigen Consulting-Unternehmen teil. Aussagekräftig sind die Bewertungen auf alle Fälle. Bei der IT-Beratung mit der niedrigsten Mitarbeiterzahl – der Seven Principles AG – mit ihren 670 Mitarbeitern liegen am 26. Mai 2015 immerhin 85 Bewertungen vor. Die Analyse von consultingmarket.de basiert daher auf einem soliden Fundament.