Category: Beratungsmarkt
Unternehmenswert im Consulting: Wie viel ist eine Beratung wert?

Wertsteigerung (oder „Value Creation“) haben sich viele Beratungen für ihre Klienten auf die Fahne geschrieben. Wie sieht das aber in eigener Sache aus? Denn in Zeiten reger Merger & Acquisitions Aktivitäten ist natürlich immer wieder eine Frage spannend: Wie viel ist eine Unternehmensberatung wert? Equiteq, der Spezialist für M&A im Consulting hat in seinem Global Consulting M&A Report 2014 die Deals in der Beratungsbranche global ausgewertet und so interessante Kennzahlen ermittelt.

4-6. Der Unternehmenswert im Consulting gemessen am Gewinn

In dem Report wird für Managementberatungen ein EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortisation) Faktor von 4 bis 6 für das Jahr 2013 angegeben. D.h., ein Beratungsunternehmen, das einen operativen Gewinn von 1 Mio. EUR aufweist, ist rund 4 bis 6 Mio. EUR wert. Hier misstrauen die Autoren jedoch ihren eigenen Zahlen, die einen Faktor von rund 10 aufweisen. Gut geführte Managementberatungen könnten zwar 7 bis 10 erreichen, in der Realität wären allerdings 4 bis 6 realistisch, so Equiteq.

0,8-1,1. Der Wert von Managementberatungen im Verhältnis zum Umsatz

Der Unternehmenswert von Managementberatungen entspricht ungefähr ihrem Jahresumsatz. Der von Equiteq errechnete Umsatzfaktor liegt bei 1,16 im Jahr 2013, für europäische Beratungen etwas niedriger bei 0,8 (Siehe Seite 19). Im Vergleich zu anderen Beratungsgesellschaften können Managementberatungen einen höheren Umsatz-Multiple erzielen. Der Grund laut Equiteq:  Im Management Consulting liegt die Profitabilität mit 13 % EBITDA über im IT Consulting oder in der HR Beratung.

Spitzenwert. Die Bewertung börsennotierter Beratungen am Beispiel Accenture

Am Beispiel von Accenture kann man diese Werte mit dem Kapitalmarkt vergleichen. Accenture wies laut Yahoo Finanzen am 23.2.2015 bei einem Aktienkurs von 90,57 Dollar einen Unternehmenswert von knapp 57 Mrd. Dollar auf. Der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr belief sich auf 30 Mrd. Dollar. D.h. der Umsatz-Multiplikator von Accenture liegt bei 1,9. Der EBITDA wird von www.wikinvest.com mit 4,83 Mrd. Dollar angegeben. Somit ergibt sich ein EBITDA Faktor von 11,8. Ein Spitzenwert.

Accenture ist demnach mit einem Umsatzmultiplikator von 1,9 und einem EBITDA Multiplikator von 11,8 besonders wertvoll. Im Vergleich zu den Equiteq-Zahlen, die sich vor allem auf kleine und mittlere Beratungen stützen, hat das Unternehmen doppelt so hohe Bewertungsfaktoren. Das hat verschiedene Gründe:
1. Accenture wird als Marktführer ein Preispremium erhalten.
2. Auch die Marke Accenture – von Interbrand immerhin mit 9,9 Mrd. Dollar bewertet – spielt beim Unternehmenswert eine Rolle – im Gegensatz zu kleinen Managementberatungen. Bei McKinsey, BCG oder PWC sieht dies bestimmt anders aus.
3. Accenture ist sehr professionell geführt, was laut Equiteq ebenfalls eine höhere Bewertung rechtfertigt gemessen an Umsatz und Gewinn.
4. Accenture ist keine Partner-Organisation und vor allem im IT Consulting stark. Hier ist der Unternehmenserfolg also eher weniger abhängig von Personen und damit lukrativer für den Käufer.

Fazit: Size matters. Aber nicht nur.

Die Größe spielt bei der Bewertung eine Rolle. Wachstum und Marktmacht sind in der Beratung wichtige Kriterien – wie in anderen Branchen auch. Die Erfahrung hat gezeigt, dass darüber hinaus eine klare Positionierung und professionelle Strukturen die Attraktivität eines Beratungsunternehmens für einen Investor steigern. Wie beschrieben kann man damit den Unternehmenswert gemessen am Gewinn verdoppeln. In der Regel sollte sich dies auch in der Profitabilität widerspiegeln – dem selbstredend wichtigsten Faktor für den Unternehmenswert von Consulting-Unternehmen. Denn ohne Gewinn nützt auch ein hoher Multiplikator nichts.


Best of Consulting 2014: Wer ist die beste Beratung im ganzen Land?

Diese Frage stellen sich die Berater und ihre Klienten immer wieder. Da sind die großen globalen Namen zu nennen wie McKinsey und Boston Consulting Group. In Europa zählt man trotz der jüngsten Schwierigkeiten natürlich auch Roland Berger dazu. Darüber hinaus tummeln sich traditionell einige Spezialisten für Themen wie Supply Chain Management oder Pricing. Aber transparent ist der Markt nicht wirklich.

Der Wettbewerb Best of Consulting

Licht will der „umfangreichste Berater-Check“ in die intransparente Branche bringen, so lautet der Anspruch. Dr. Frank Höselbarth hat zusammen mit der Wirtschaftswoche in den vergangenen Jahren aus dem recht einfachen Höselbarth & Lay Index einen Wettbewerb entwickelt, der mittlerweile – neben den Fink-Studien – zu den führenden Berater-Rankings in Deutschland gehört. Die Beratungen werden im Wettbewerb Best of Consulting 2014 in drei Kategorien bewertet  und zwar für ihre  Markenstärke, ihre Fähigkeit zur Wertsteigerung bei den Klienten und dem Erfolg in eingereichten Projekten. Befragt wurden Top-Manager aus Deutschlands größten 1500 Unternehmen.

Die Preisträger 2014

Die Gesamtergebnisse des Best of Consulting Wettbewerbs 2014 lesen sich wie das Who-is-Who der Branche: Erster wird die Boston Consulting Group, gefolgt von McKinsey, Porsche Consulting, Bain, Roland Berger, PWC, EY, KPMG, Oliver Wyman und Simon Kuchen & Partners. Damit können sich also die vier größten amerikanischen Strategieberater, Roland Berger, drei der Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und zwei einheimische Spezialberatungen platzieren. PWC wurde nach der Übernahme von Booz (jetzt: Strategy&) als bester in der Kategorie Wertsteigerung ausgezeichnet.

Best_of_consulting_2014

In den Einzeldisziplinen konnten hingegen die Spezialisten punkten. Wettbewerbsstrategie: Porsche Consulting. Finanz & Risikomanagement: Horvath. Marketing & Vertrieb: Roll & Patsch. IT Management: it economics. SCM: Wassermann. Personal: Promerit und Restrukturierung: goetzpartners.(Quelle Wirtschaftswoche Nr 45, 3.11.2014.) Der Best of Consulting Wettbewerb in der Fotostrecke der Wirtschaftswoche

 

Das Ranking etabliert sich

Insgesamt fällt auf, dass der Best of Consulting Wettbewerb an Renommee gewonnen hat. So waren in den Anfangsjahren namhafte Beratungen die Ausnahme unter den Preisträgern, inzwischen stellen sie den Großteil. Auch die Abwicklung des Wettbewerbs seitens des Verlages ist deutlich professioneller geworden. Last but not least ist die Qualität der eingereichten Projekte gestiegen. Waren in der Vergangenheit vor allem die eingereichten Projekte in den Kategorien Wettbewerbsstrategie und SCM sehr hochklassig, sind sie es jetzt in allen Bereichen. So hat die Best of Consulting Jury in diesem Jahr zum ersten Mal in jeder Kategorie einen Preisträger ausgezeichnet.

Spannend wird es vor allem auch nächstes Jahr wieder, wenn Prof. Fink mit seiner Hidden Champions Studie die Spezialisten unter den Consulting Unternehmen untersucht. Denn seit der letzten Studie 2012 wurden einige der Hidden Champions übernommen wie zum Beispiel Brainnet, Management Engineers, Tellsell, Stratley oder J&M.


Wachstumsmarkt Consulting – und kein Ende in Sicht.

Am 19. Februar hat der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) die Zahlen für den deutschen Beratungsmarkt veröffentlicht.  Der Gesamtumsatz der Consulting-Branche legte im Jahr 2012 um 8,0 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro (2011: 20,6 Mrd. Euro) zu. Für 2013 bleiben die Unternehmensberater weiter optimistisch, so der BDU und rechnen mit einem Umsatzplus von knapp sieben Prozent. Auch die Analysten von sourceforconsulting.com sind nach der Befragung von 800 Klienten von Beratungsunternehmen so optimistisch wie seit 2007 nicht mehr.

Beratermarkt2012

Welche Beratungsleistungen werden nachgefragt? Der BDU erwartet vor allem eine hohe Nachfrage in den Bereichen Prozessoptimierung und SCM. Also klassisches Operations Consulting. Auch Fiona Czerniawska, Expertin und Gründerin von sourceforconsulting.com, sieht in diesem Beratungsfeld überdurchschnittliches Wachstum: “Our research suggests that the growth agenda continues to gather momentum amongst clients. Keen though they may still be to keep a firm lid on costs, for most growth is now an imperative. This represents one of the biggest opportunities for consulting firms at the moment, but for many it will manifest itself as demand for more traditional back office consulting around technology, for instance, or operations.” Consulting-Kenner Prof. Dietmar Fink hingegen glaubt, dass es einen Gezeitenwechsel gibt und Themen wie Innovation sowie Wachstum für Klienten an Bedeutung gewinnen – und operative Verbesserungen in der Wertschöpfungsketten langsam ausgereizt sind.

Ich glaube, dass die digitale Revolution heute und morgen dramatische Veränderungen für Industrieunternehmen mit sich bringt – und damit die Nachfrage nach Beratung befeuert. Denn neue Technologien wie Cloud-Lösungen oder SoLoMo (Social, Local, Mobile) Solutions verändern Produkte sowie Services – und damit die gesamten industriellen Wertschöpfungsketten. Apple dient hier als Vorbild, wie ein Unternehmen sich von einem Hardware-Hersteller zu einem Anbieter eines Ökosystems aus Hard- und Software sowie Services weiterentwickelt hat. Ähnliche Konzepte funktionieren auch in anderen Märkten wie in der Automobilbrache oder im Maschinen- und Anlagebau. Sie erfordern allerdings ein radikales Umdenken, geänderte Prozesse, neue IT Systeme und damit externe Beratung.

Die Herausforderung für Beratungsunternehmen liegt darin, mit diesen Innovationen Schritt zu halten. Es wird also in Zukunft auch immer stärker darauf ankommen, die besten Talente gewinnen zu können, welche die digitale Revolution in die Industrieunternehmen tragen können. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Weitere Informationen zum Beratungsmarkt 2012/2013:

http://bit.ly/YB81aO

http://www.sourceforconsulting.com/news/105

 


Aus Blau wird Gelb – J&M und E&Y heiraten

Am 4. Februar war es soweit: Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hat den Hidden Champion J&M Management Consulting AG übernommen – vorbehaltlich der Genehmigung durch die Kartellbehörden. Nach dem grünen Licht der Kartellbehörden wird aus Blau Gelb. Aus 320 werden 1400 Berater in Deutschland, Österreich und Schweiz, 27.000 Consultants weltweit oder sogar 167.000, wenn man alle Service Lines von E&Y weltweit dazuzählt.

Die neue Farbenlehre war für viele Marktkenner keine Überraschung mehr, nachdem die Wirtschaftswoche Anfang Januar bereits über Verhandlungen berichtet hatte. Die Konsolidierung des Marktes setzt sich also fort. Und das ist bei einer zunehmenden Reife eines Marktes keine Überraschung. Im Gegenteil. Dass die blau-gelbe Hochzeit sinnvoll ist, darüber hatte ich bereits indirekt in einem Blog-Beitrag am 8. Januar geschrieben. Das sehen auch viele Kommentatoren so, zum Beispiel nachzulesen im Consultanten-Blog.

Noch viel wichtiger ist die sehr positive Reaktion der Kunden von J&M. Für Blau-Gelb öffnen sich Chancen, die es für eine Farbe alleine nicht gegeben hätte. Die SCM Managementberater mit IT Kompetenz von J&M auf der einen Seite und die Experten in allen CFO-Themen von E&Y auf der anderen Seite. Gepaart mit einer branchenspezifischen Beratungskompetenz ergibt sich daraus eine neue Qualität im Value Chain Consulting. Last but not least wird durch die Hochzeit endlich auch die große Schwäche von J&M behoben: die schwache Präsenz außerhalb Europas.

Nur in einem Punkt sind Kunden ein wenig vorsichtig: Bleibt ihr Beratungspartner in Gelb so partnerschaftlich, so kundenorientiert und so pragmatisch wie sie ihn aus der blauen Periode kennen? Natürlich agiert ein globaler Konzern mit 167.000 Mitarbeitern anders als ein eigentümergeführtes Beratungshaus mit 320 Mitarbeitern und 15 Jahren Geschichte. Aber das spürt man meines Erachtens eher intern durch die höhere Arbeitsteiligkeit. Nach außen nicht. Denn die E&Y Kollegen sind genauso partnerschaftlich, kundenorientiert und pragmatisch wie wir von J&M. Das ist mein Eindruck nach den ersten beiden Flitterwochen. Aber da sieht man alles auch immer rosarot, himmelblau oder goldgelb.

 

 


Die Top-Performer von gestern, heute und morgen

Vor zwei Tagen hat die Lünendonk GmbH die Top-Performer auf dem deutschen Beratermarkt der letzten Jahre veröffentlicht. J&M ist dabei auf einem exzellenten vierten Platz. Die Studie „Performance  – Wachstumsstarke Management- und IT-Beratungs-Unternehmen“ hat das Umsatzwachstum zwischen 2006 und 2011 gemessen.„Als ein grundsätzliches Merkmal für die Produktivität gilt dabei das Umsatzwachstum eines Unternehmens“, erläutert Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk und Studienautor. Denn liege das Umsatzwachstum eines Beratungsunternehmens zumindest mittelfristig über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen, so geht Lünendonk davon aus, dass seine Leistungsfähigkeit, seine Performance, positiv ist.

Spannend ist, dass bei den Managementberatern vor allem mittelständische Beratungsunternehmen mit einer klaren Positionierung überdurchschnittlich erfolgreich waren: J&M, Camelot, Staufen, Simon-Kucher und Management Engineers. Erfreulich ist dies für mich natürlich besonders bei J&M. Denn auch die Marketing-bezogenen Kennzahlen haben sich in den vergangenen 6 Jahren mindestens ebenso gut entwickelt: Im Markenimage hat J&M laut der Best of Consulting Studie 2012 von Dr. Höselbarth zu den etablierten Größen im deutschen Managementberatungsmarkt aufgeschlossen. Auch die Markenbekanntheit liegt inzwischen bei 25 % im Management deutscher Unternehmen. Ein exzellenter Wert für eine junge auf SCM spezialisierte Beratung, die in Branchen wie Banken, Versicherungen, Dienstleistung gar nicht aktiv ist. Last but not least ein exzellenter Wert angesichts der Halbierung der Marketingkosten (relativ am Umsatz).

TopperformarManagementConsulting

Produktivitätssteigerungen (nicht nur im Marketing) sind ein wichtige Herausforderungen für Beratungen – und ein Grund für die heutige Konsolidierungswelle am Markt. Zillmann, Lünendonk, sieht ein Dilemma: „Angesichts des chronisch engen Personalmarktes für qualifizierte Unternehmensberater und IT-Fachkräfte und geringer Aussicht auf regelmäßige Honorarsteigerungen wird es entscheidend darauf ankommen, die Produktivität der eigenen Dienstleistungen zu steigern“.

Produktivitätssteigerungen sind allerdings oft nur durch Standardisierung, Spezialisierung und Industrialisierung zu erreichen, die in der Vergangenheit nicht unbedingt die Stärke von Managementberatern darstellten wie schon David Maister in seinem Standardwerk „Managing the Professional Service Firm“ analysiert hatte.

Spannend ist, ob Beratungsunternehmen in den kommenden Jahren auch die neuen Social Media Technologien für sich nutzen werden, um hier ihr Wissensmanagement effizienter und effektiver zu gestalten und den Dialog mit dem Markt zu verbessern. Denn im Prinzip haben Berater bisher zwar ihre Präsentationssoftware auf den neuesten Stand gebracht, das Knowledge Management hinkt in der Regel hinterher. Ich glaube, dass Unternehmensberatungen in den kommenden 3 Jahren ihre Produktivität dramatisch verbessern werden. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse dieser Lünendonk-Trendstudie im Jahre 2015. Denn die Top-Performer von gestern und heute müssen sich anstrengen auch die von morgen zu bleiben.

Die Trendstudie gibt es bei Lünendonk zum kostenfreien Download