Category: Beratungsmarkt
2013 – Das Jahr der Berater-Hochzeiten?

Heute verkündet KPMG die Übernahme der Spezialberatung Tellsell mit 30 Mitarbeitern und 5 Mio. EUR Umsatz. Damit übernimmt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nun innerhalb eines Jahres bereits das zweite mittelständische Beratungsunternehmen in Deutschland. Die KPMG ist nicht alleine, Deloitte und PWC haben in der jüngsten Zeit mit Monitor und PRTM ihre Beratungsarme gestärkt, weitere bekannte Adressen wie Lodestone (an Infosys), Celerant (an Hitaichi Consulting) oder Management Engineers (an Booz) wurden gekauft oder stehen in Verhandlungen. Überall Hochzeiten. Aber sind das auch Hochzeiten im Himmel?

Operations Beratung – also das Management Consulting zur Verbesserung funktionaler Strategien, Organisationen und Prozesse zur Steigerung der operativen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens – ist ein Wachstumsmarkt in den viele drängen: die Strategieberater wie etwa Booz, die Wirtschaftsprüfer wie Deloitte, KPMG oder PWC und in Zukunft zunehmend auch die großen Outsourcingunternehmen wie Cognizant oder Infosys.

Der deutsche Beratungsmarkt ist dabei für Operations Consulting besonders interessant. Denn mit einer hochleistungsfähigen Industrie ist Deutschland heute ein Vorbild für operative Exzellenz in aller Welt. Komplexe Produkte, begleitende Dienstleistungen, globale Absatz- und Beschaffungsmärkte, moderne IT und eine hohe Innovationsgeschwindigkeit zeichnen viele Industrieunternehmen hierzulande aus. Die Marktführerschaft vieler deutscher Unternehmen bestätigt Prof. Simon mit seiner Liste der Hidden Champions immer wieder. Die Studien von J&M zeigen außerdem , dass die deutsche Industrie im Vergleich zu anderen in Operational Excellence und im Supply Chain Management besonders stark aufgestellt ist. SCM Berater aus Deutschland haben beispielsweise in Frankreich oder Russland einen exzellenten Ruf. Hoch-Zeiten für Operations Consultants sozusagen.

Eine Beratung global aufzustellen ist allerdings teuer, zeitaufwändig und riskant. Bisher ist es nur zwei deutschen Beratungsgesellschaften gelungen nennenswert international zu expandieren: Roland Berger und Simon Kucher. Unternehmen erwarten diese Internationalität andererseits und sind ihren Beratern dort einen Schritt voraus. Für viele mittelständische Beratungen ist es daher ein logischer Schritt, in einen bestehenden globalen Verbund zu expandieren. Auf der anderen Seite bleibt natürlich auch ein Markt für unabhängige mittelständische Beratungen.

Hochzeiten im Himmel. Danach sieht es momentan aus. Und viele andere haben Frühlingsgefühle. Momentan wird viel gesprochen im Beratungsmarkt. Wir dürfen also gespannt sein, was sich 2013 noch so alles tun wird auf dem deutschen Consulting-Markt.

 

 


Der Beratermarkt 2020: wie Crowdconsulting Beratungsunternehmen verändert

Auf der einen Seite prägen Globalisierung, Preisdruck und wachsende wirtschaftliche Unsicherheit den Beratermarkt. Auf der anderen Seite eröffnet das Web 2.0 neue Möglichkeiten und verändert das Consulting in den nächsten Jahren dramatisch. Welche Folgen diese Entwicklungen für Beratungsunternehmen haben werden und wie sie sich auf Crowdconsulting einstellen müssen.

Den vollständigen Artikel von Markus Baum und Frank Braun aus dem BeraterGuide 2013 gibt es hier zum Download:


Die Zukunft des Beratermarktes: Wer braucht noch Consultingfirmen, wenn es doch Xing und LinkedIn gibt?

Laut „Der Spiegel“ lieferte IBM Anfang 2012 die Blaupause für die Arbeitswelt von morgen. Damals sickerte durch, dass sich der IT-Riese unter dem Arbeitstitel „Liquid“ eine Radikalreform der Belegschaft vorgenommen hat. In Zukunft sollen kleine Kernteams ein Heer freier Mitarbeiter dirigieren. Festanstellung war gestern. Die Zukunft gehört dem Selbstständigen, der sich über „Ebays für Arbeitskräfte“ im Internet jedes Mal aufs Neue für ein Projekt bewerben darf. Wie die Beraterwelt von morgen aussieht, das beschreibt Frank Braun, Marketingdirektor der Unternehmensberatung J&M Management Consulting, im folgenden Gastbeitrag:

Im Wohnzimmer meiner Eltern standen die vielen Bände des Brockhaus. Wollten wir mehr über Erfindungen oder eine Vogelart wissen, war das Lexikon die wichtigste Quelle für Antworten. Allerdings blieben viele Fragen offen. Heute tippt meine sieben Jahre alte Tochter Begriffe einfach in Google ein und liest auf Wikipedia nach. Wissen ist jederzeit verfügbar. Und bald – wenn das semantische Web kommt – listet die Suchmaschine keine Links mehr auf, sondern beantwortet komplexere Fragen wie zum Beispiel „Die Bäckerei Kapp in Edingen“, wenn man nach dem besten Weißbrot in Nordbaden fragt.

Macht das Internet Berater genauso überflüssig wie ledergebundene Lexika? In einer globalen, zunehmend virtuellen Welt, erscheint es seltsam, dass Berater um die gesamte Welt fliegen müssen, um ihren Klienten persönlich ein paar Powerpointfolien zu erklären. Zumal es inzwischen zu den Grundfähigkeiten von Angestellten in der Industrie zählt, Projekte zu managen. Und viele Unternehmen für größere Veränderungsprogramme längst Inhouse Consulting-Abteilungen aufgebaut haben. Besonders fortschrittliche Unternehmen wie der auf Kleinserien spezialisierte Automobilhersteller Local Motors treten sogar schon bei Innovationen direkt mit ihren Kunden und Lieferanten in Dialog. Open Innovation und Crowd Sourcing nennt sich das. Wozu braucht es 2020 dann noch Berater?

Dazu: Consultants haben bestimmte tiefgehende Fachkenntnisse, die ein Unternehmen punktuell benötigt, und Beraterteams verstärken phasenweise die bestehende Belegschaft, um Veränderungen schnell zu realisieren. Die Funktion der „verlängerten Werkbank“ gewinnt durch die Spezialisierung des Know-hows, die Globalisierung und die hohe Geschwindigkeit weiter an Bedeutung. Auch 2020 wissen Unternehmen unabhängige Berater als externe Impulsgeber oder neutrale Moderatoren zu schätzen.

Die Frage ist nur, ob es dazu noch Beratungsunternehmen braucht, oder ob virtuelle Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn nicht schon als Plattform für eine Zusammenarbeit ausreichen. So kann jeder auf Xing heute schon nach einzelnen Kenntnissen suchen und sehen, ob Dritte diese bestätigen. Der Schritt zu einer detaillierten Skill-Bewertung und damit zu einem Experten-Netzwerk ist nicht mehr weit. Über Yammer und andere B2B-Social Networks lassen sich zudem mit einem Klick virtuelle Projektgruppen über Unternehmensgrenzen hinweg einrichten und per Videokonferenz á la Lync die Ergebnisse des Projektes durchdiskutieren.

Ganz auf feste Organisationsstrukturen wird die Beraterbranche auch 2020 wohl nicht verzichten können. Der Markt dürfte sich jedoch stärker aufteilen.

Die Zukunft gehört:

  1. Virtuellen Unternehmensberatungen, also Netzwerken von freiberuflichen Spezialisten, sie sich punktuell und flexibel über Business-Netzwerke im Internet zusammenfinden und ihr Know-how ergänzen.
  2. Einem Dutzend großer global agierenden Beratungen, die ihren Klienten nicht nur ein Vollsortiment an Branchen- und Fachspezialisten, sondern auch (wirtschaftliche) Sicherheit bieten, indem sie zum Beispiel Haftungsrisiken großer Projekte oder den Betrieb von komplexen IT-Systemen übernehmen.
  3. International agierenden Spezialberatungen, die in bestimmten Themenfeldern wie Pricing oder Supply Chain Management in puncto Fachwissen und Umsetzungsfähigkeit absolut führend sind.

Unabhängig von ihrer Organisationsform nutzen alle drei Beratungstypen 2020 moderne Kommunikationstechniken und Kollaborationsplattformen. Die effiziente Vernetzung von Menschen und Wissen entwickelt sich zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor insbesondere im Consulting. Darauf müssen sich alle Unternehmensberater einstellen. Auf Festplatten von Consultern gehortetes Wissen veraltet. Es hat bald so ausgedient, wie die Wissensspeicherung in Leder.

Erschienen am 26.7.2012 auf Consultanten, dem Blog der Wirtschaftswoche

http://blog.wiwo.de/die-consultanten/2012/07/26/wer-braucht-noch-consultingfirmen-wenn-es-doch-xing-und-linkedin-gibt/