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Die Wirtschaftsprüfer im War for Talents – Manager Magazin deckt strategische Schwäche der Wirtschaftsprüfer auf

Beratungsunternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind auf sehr gute und qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Eine aktuelle Studie des Berliner Beratungsunternehmens Trendence unter Hochschulabsolventen und Young Professionals in der aktuellen Ausgabe des Manager Magazins deckt hier allerdings Risiken vor allem für Wirtschaftsprüfer auf.

Wirtschaftsprüfer bei den Absolventen top

Die Big 4 punkten zwar besonders bei den Hochschulabsolventen und können sich Spitzenplätze sichern: PWC mit Platz 9, EY 12, KPMG 16 und Deloitte immerhin noch mit Platz 32. Allerdings tritt dann bei den Wirtschaftswissenschaftlern im Job Ernüchterung auf, so dass das Ranking bei den Young Professionals anders aussieht: PWC 14, EY 21, KPMG 30, Deloitte 69. Zum Vergleich verbessern sich die Strategieberater McKinsey von 13 auf 4, BCG von 18 auf 6, Bain von 65 auf 25 und Roland Berger von 61 auf 39. Auch ein großes Beratungsunternehmen wie Accenture steigt von Rang 61 unter den Hochschulabsolventen auf Platz 16 bei den Young Professionals.

Trendence Studie Manager Magazin

PWC, EY, KPMG und Deloitte sind bei den Hochschulabsolventen top, bei den young professionals eher nicht

Attraktivität der Big 4 sinkt mit der Berufserfahrung

„Mehr Augenhöhe, weniger Hierarchie. Das ist dringend nötig, denn Image und Realität klaffen in kaum einer anderen Branche so stark auseinander wie bei den Wirtschaftsprüfern“, schreibt Klaus Werle in seinem Artikel. Der Trendence-Geschäftsführer Holger Koch wird wie folgt zitiert: „EY und andere sind typische Karrieresprungbretter.“ Für viele seien klassische Berater nach einigen Jahren attraktiver. Die geringe Attraktivität von Wirtschaftsprüfern für erfahrene Berater deckt sich auch mit den Ergebnissen des Consulting Monitors von OdgersBerndtson. Insbesondere für Senior Consultants stehen spezialisierte Beratungen höher im Kurs.

Besonders spannend ist zu sehen, in welchen Kriterien sich das Bild einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verschlechtert. Hatten Absolventen besonders für Gehalt und Karriereperspektiven hohe Punktzahlen vergeben, so gehen diese bei den Berufserfahrenen deutlich zurück. Besonders gering sind sie in – für die Generation Y wichtigen – Kriterien Innovation und Work-Life-Balance.

Marktpositionierung von EY, PWC, KPMG und Deloitte ist sehr stark

Ist nun alles schlecht bei den Big4? Globale Präsenz, ein breites Kompetenzspektrum und ein exzellenter Ruf bei Entscheidern sind die strategischen Trümpfe von EY, KPMG, PWC und Deloitte. Sie stechen auch, wie man an den guten Wachstumszahlen ablesen kann. Nachdem die großen Vier ihre Consulting-Expertise gestärkt haben, sind sie jetzt gefordert, ihre Unternehmenskultur zu modernisieren. Dabei helfen die wachsenden Advisory-Units und die zugekauften Beratungsteams. Andererseits wird es mit der klassischen Pyramidenstruktur schwierig werden, weil sie zu einem ausgeprägten Statusdenken und Besitzstandswahrung verleitet.

Es wird spannend zu sehen, welche Rezepte die Wirtschaftsprüfer in den kommenden Jahren entwickeln, um junge Talente mit digitaler Kompetenz zu gewinnen und zu halten, sich als Unternehmen selbst zu digitalisieren und zu flexibilisieren, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, am Markt und auf dem Bewerbermarkt gleichermaßen.

Gute Nachrichten für BCG, McKinsey und Co.

Und die positive Nachricht für klassische Beratungsunternehmen. Berufserfahrene sehen Consulting als attraktiven Beruf an. Die Reputation, welche die Strategieberater früher bei den Absolventen hatten, holen sie sich nach wenigen Jahren bei den erfahrenen Young Professionals wieder.


Das besondere öffentliche Interesse an Beratungsaufträgen im Öffentlichen Sektor

Für moderne Unternehmen ist es heute eine Selbstverständlichkeit Unternehmensberater zu engagieren. In der öffentlichen Verwaltung sorgt das Engagement von Consultants allerdings immer noch regelmäßig für Diskussionen. So berichtete das Magazin Cicero, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bei der Bewältigung der Asylanträge auf zahlreiche externe Berater von McKinsey, Roland Berger und EY setzt. Allerdings seien die Aufträge nicht ausgeschrieben worden. Laut Vergaberecht ist dies für Aufträge bis 240.000 Euro auch möglich. Ein weiterer Vorwurf war, dass die Berater mit dem Taxi anreisten. Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit und nun auch Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) setzt schon seit mehreren Jahren verstärkt auf Unternehmensberater, u.a. beim Umbau der Arbeitsagentur.

Kritik an Beauftragung von McKinsey in Berlin

Schlagzeilen machte die Zusammenarbeit mit McKinsey auch in Berlin. Dort hatte McKinsey das Landesamt für Gesundheit und Soziales unbezahlt mit bis zu fünf Consultants bei bei der Verbesserung der Abläufe rund um die Flüchtlingsregistrierung und -integration unterstützt. Teil des Pro-Bono-Teams war auch Sebastian Muschter, der im Januar das Amt des Lageso-Chefs kommissarisch für neun bis zwölf Monate übernommen hat und seitdem beim Land Berlin auf der Payroll steht. Muschter hatte übrigens schon Frank-Jürgen Weise beraten. Inzwischen hat McKinsey allerdings sein Engagement für das Land Berlin beendet, weil der Vorwurf der Vetternwirtschaft erhoben wurde. McKinsey hatte sich an der Erstellung des „Masterplans für Integration und Sicherheit“ beteiligt und für dieses Projekt den früheren Staatssekretär Lutz Diwell (SPD) engagiert. Der Auftrag hatte ein Gesamtvolumen von 238.000 Euro. Der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning (SPD), vergab den Beratungsauftrag für den Integrationsplan direkt ohne Ausschreibung, was von Seiten der CDU und der Grünen kritisiert wurde.

Verteidigungsministerium investiert Millionenbetrag in externe Consultants

Etwas weiter im Berliner Bendlerblock wurde kürzlich ebenfalls ein Beratervertrag unterzeichnet, wie in Spiegel Online zu lesen war. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen holt sich externes Know-how ins Haus. Für mehr als 200 Millionen Euro sollen in den nächsten drei Jahren Consultants neue Rüstungsvorhaben vorab überprüfen, Risiken einschätzen und Machbarkeitsanalysen anfertigen. Federführend beteiligt an dieser Maßnahme war laut Spiegel Online von der Leyens Staatssekretärin Katrin Suder. Suder ist seit August 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung und war zuvor 14 Jahre für McKinsey tätig, wo sie zuletzt die Beratungssparte Öffentlichen Sektor leitete. „Im Zuge dieser Tätigkeit betreute sie federführend unter anderem die Bundesagentur für Arbeit, diverse Bundesministerien sowie führende europäische Konzerne aus den Bereichen Telekommunikation, Software und Informationstechnologie“, heißt es auf den Seiten des Verteidigungsministeriums über ihr Engagement bei den Meckies.

Angesichts des besonderen öffentlichen Interesses und der Eigenheiten des Politikbetriebes ist es für Beratungsunternehmen also ratsam, die Beauftragungen im Öffentlichen Sektor sehr transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Sonst findet man sich plötzlich mitten in einer politischen Auseinandersetzung wieder und erntet schlechte Presse. Dabei hat McKinsey durch seine Unterstützung in der Flüchtlingskrise und seine Pro-Bono-Arbeit eigentlich das Gegenteil beabsichtigt (und verdient).

Quellen:

Teure Unternehmensberater in der Asylverwaltung, Beitrag in Cicero vom 24. März 2016

Die wichtigsten Antworten zum McKinsey-Lageso-Eklat, Artikel aus der Berliner Zeitung vom 19. März 2016

Rüstungsprojekte: Von der Leyen engagiert teure Berater-Armee, Spiegel Online vom 16. März 2016

 


Die Schokoladenseiten der Unternehmensberatungen: 5 Tipps wie Beratungsunternehmen ihre Webseite verbessern können.

Im digitalen Zeitalter ist die Webseite eine der wichtigsten Marketingmaßnahmen für eine Unternehmensberatung. Haben bis vor 20 Jahren hochwertige Visitenkarten und eine vornehme Adresse in Düsseldorf, München oder Frankfurt vollkommen ausgereicht, um die Wertigkeit der eigenen Unternehmensberatung zu kommunizieren, so ist inzwischen die Internetseite mit mehreren tausend Besuchen pro Monat der häufigste Kontaktpunkt mit potentiellen Klienten und Bewerbern.

Gute Webseiten sind heute Standard

Die gute Nachricht: Die meisten Unternehmensberatungen haben einen ordentlichen Webauftritt, der handwerklich gut gemacht ist: Die wichtigsten Inhalte sind vorhanden (Über das Unternehmen, Leistungsportfolio, Karriereseiten, Kontakt), die Website ist responsive, d.h. die Darstellung wird jeweils für Notebook, Tablet und Mobiltelefon optimiert. Die schlechte Nachricht: Gute Webseiten sind inzwischen Commodity. Für manche Beratung reicht das. Immer mehr Consultants setzen allerdings auf Beratungsthemen, die eine besondere digitale Kompetenz erfordern: Industrie 4.0, Internet of things, Digitale Transformation oder Big Data. Sollte die Webseite dies erlebbar machen?

5 Tipps, wie Beratungsunternehmen ihre Webseiten besser und einzigartiger machen.

Michael Porter hat gesagt: „It’s not just a matter of being better at what you do – it’s a matter of being different at what you do.“ Der Webseite als zentrales Marketinginstrument im digitalen Zeitalter kommt hier eine entscheidende Rolle zu. Was unterscheidet aber eine hundsgewöhnliche Beraterwebseite von einer richtig guten und modernen?

  1. Design: Judge a book by it’s cover.
    Klassischerweise bevorzugen Unternehmensberater ein klassisches Design. Blautöne unterstreichen die Objektivität und das unaufdringliche Layout mit den Serifenschriften die Seriosität. Der Mensch sollte schließlich im Vordergrund stehen. Die Folge ist allerdings, dass sich das Look & Feel der meisten Unternehmensberatungen dadurch sehr ähnelt. Dass man aus dieser Reihe tanzen kann, zeigen Boston Consulting, Bain und EY sehr gut. Durch den gezielten und konsequenten Einsatz von Farbe gewinnen sie an Eigenständigkeit, ohne unseriös zu wirken. PWC hat eine sehr prägnante Farbsystematik mit verschiedenen Rottönen entwickelt, die durch ihr Zusammenspiel einzigartig wirken. Accenture hingegen gelingt die Differenzierung durch den häufigen Einsatz des Größer-Zeichens im Layout. Und noch etwas zum Design: Das mobile Internet hat Auswirkungen auf Design-Trends. Berater sollten daher ihr Corporate Design überprüfen und mutig weiterentwickeln.
  1. Bildsprache: Mehr als tausend Worte.
    Gerne werden in der Consultingbranche Bildmotive mit Personen genommen. Dabei sind Szenen mit Händedruck, am Konferenztisch oder am PC sehr beliebt. Sehr oft sehen Klienten und Bewerber von Beratungsunternehmen auch Motive aus dem Sport. Insbesondere Segeln, Rudern und Staffelläufe gehören als Disziplinen zu den Favoriten in der Beraterbranche. Wie es anders geht zeigen zum Beispiel Boston Consulting, goetzpartners und ROI Management Consulting mit eigenständigen Zeichnungen. Der besondere Strich dieser Motive ist in den heutigen Zeiten auswechselbarer Stock-Fotografie unverwechselbar. Eine Differenzierung durch die Bildsprache ist nicht ganz so preiswert wie durch das Corporate Design, aber doch recht leicht umsetzbar.
  1. Inhalte: Qualität statt Quantität
    Berater werden vorwiegend aus zwei Gründen engagiert – entweder weil sie innovativ sind, oder weil sie ein Thema schon mehrfach umgesetzt haben. Entsprechend sollten die Inhalte sein: innovative Themen, sogenannte Thought Leadership Themen, oder eben Erfahrungsberichte mit konkreten Fällen aus der Beratungspraxis. Erfahrungsberichte sind im Management Consulting eher seltener zu finden, da die wenigsten Klienten ein Interesse haben, dass ihre Berater diese Vorhaben detailliert publizieren. Bleibt Thought Leadership. Die Branchenkennern Sourceforconsulting geben regelmäßig Deloitte und IBM Bestnoten für ihr Material. Gut gemacht sind auch die Internetseiten von McKinsey Quarterly und www.bcgperspectives.com mit einer Mischung aus Studien, Fachartikeln und externen Beiträgen. Beratungen mit 50, 100 oder 200 Beratern können hier nicht über alle Themen mithalten. Das Erfolgsrezept heißt daher, spitz vor breit. D.h., lieber in einem klar definierten Themenbereich – der natürlich zur strategischen Positionierung passt – Vordenker zu sein, als in allen Themen Mittelmaß zu produzieren.
  1. Interaktion: Aufmerksamkeit in Aktionen konvertieren
    Was bei Internetagenturen und Produktanbietern die Regel ist, ist bei Unternehmensberatern die Ausnahme: Die Conversion von Besuchern in konkrete Leads. Nur wenige Consulting-Unternehmen nutzen Downloads, Event-Anmeldungen, Benchmarkings oder Studien zur konsequenten Generierung von qualifizierten Leads. Zugegeben, Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder – die primäre Zielgruppe von Beratern – sind damit nicht so einfach zu erreichen wie IT Experten. Allerdings ist dieses sogenannte Inbound Marketing auch im Beratermarketing erfolgreich einsetzbar, denn interessanten Content produzieren (gute) Beratungshäuser zur Genüge – siehe oben. Was fehlt sind meist geeignete Call-to-action-Aufforderungen, um aus Besuchern konkrete Leads zu machen.
  1. Überraschung: Das Besondere zählt
    Wir kennen es aus dem Marketing von Automobilen: Skurrilitäten und Besonderheiten bleiben im Gedächtnis und machen aus einem ordentlichen Fahrzeug etwas Besonderes. So der Espressoautomat als Sonderausstattung des Fiat 500, die Blumenvase beim VW New Beetle oder der in der Wagentür integrierte Regenschirm beim VW Phaeton. Skurrilitäten, die gerne weitererzählt werden und ein Produkt unverwechselbar machen. Sie merken, ich weiche mit den Beispielen auf eine andere Branche aus. Gibt es überraschendes Marketing im Consulting? Ich finde, dass die Sales-Consultants von Infoteam Consulting mit ihren gut gemachten, geistreichen und witzigen Erklärvideos überraschen. Wurden Sie einmal überrascht vom Marketing einer Unternehmensberatung? Wenn ja, teilen Sie mir dies gerne mit.

Immer mehr Unternehmensberatungen setzen darauf, ihre Klienten bei der digitalen Transformation zu begleiten. Zeit also, selbst die digitale Kompetenz mit einem gut gemachten Internetauftritt unter Beweis zu stellen.

Whitepaper Lead Generation im Consulting als PDF

Die Webseite ist ein wichtiges Element für die Lead Generierungsstrategie von Unternehmensberatungen. Weitere Informationen zum Lead Management im Consulting bietet das Whitepaper von WYZE Projects. Geben Sie einfach Ihre Mail-Adresse ein. Wir senden Ihnen danach umgehend das Whitepaper Lead Generation im Consulting als PDF an Ihre Mailadresse zu.


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Strategy Shift im Consulting – So entwickelt sich der Beratungsmarkt 2016
Markus T. Schweizer, EY

Markus T. Schweizer ist Managing Partner Advisory Services GSA bei EY

„Wir erleben eine Renaissance der Strategieberatung“, sagt Hans-Georg Scheibe, Vorstand von ROI Management Consulting. Denn aufgrund der Verunsicherung durch neue Technologien, Geschäftsmodelle und geänderte volkswirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen gibt es laut Scheibe eine verstärkte Nachfrage nach Orientierung. Markus T. Schweizer, Managing Partner für Advisory Services bei EY sieht die Digitalisierung als Ursache: „Digitalisierung als Megatrend treibt nicht nur die Veränderung der Geschäftsmodelle unserer Kunden, sondern auch die Struktur des Beratungsmarktes. Ich erwarte eine zunehmende Nachfrage nach transformationsbezogener Strategieberatung einerseits, aber auch nach eher operativen Beratungsleistungen in den Bereichen Analytics oder Cyber Security andererseits.“

Vordenkertum der Berater wird für Klienten immer wichtiger.

Das Comeback der Strategie stellt Professor Dietmar Fink in seinen Studien schon länger fest. War 2007 bis 2011 noch die Umsetzungsfähigkeit das wichtigste Auswahlkriterium bei der Wahl einer Managementberatung, wünschen sich die Klienten nun mehr strategischen Weitblick: Vordenkertum – auf Beraterdeutsch auch Thought Ledership genannt, also die Fähigkeit der Berater, innovative, praxistaugliche Lösungen für die zukünftigen Herausforderungen eines Unternehmens, einer Branche oder der Gesellschaft als Ganzes zu entwickeln, liegt in den Fink-Studien seit 2013 an der Spitze noch vor Umsetzungsfähigkeit und Branchenkenntnissen der Consultants. Noch dramatischer wird diese Renaissance der Strategieberatung, wenn man bedenkt, dass 2007 das Vordenkertum noch an vorletzter Stelle sogar hinter Teamfähigkeit und Preis rangierte.

Auswahlkriterien für Berater

Die wichtigsten Kriterien zur Auswahl eines Managementberaters laut Professor Dietmar Fink, Hidden Champions Studie 2015

IT Berater verbessern durch die Digitalisierungswelle ihre Wettbewerbsposition

Die Gleichung mehr Strategie, d.h. mehr Geschäft für die klassischen Strategieberater geht allerdings nicht auf. Zunehmend werden Spezialisten auch in strategischen Fragen ernst genommen. Und: Bei Fragen der Digitalisierungsstrategie konkurrieren die BCGs und McKinseys zunehmend mit den gehobenen IT Beratungen, stellen die Marktkenner von Sourceforconsulting fest. Die ersten Trendzahlen der Consulting 4.0 Studie von Newcoventure und Consultingsearcher zeigen auch, dass die IT Beratungen – neben den digitalen Beraternetzwerken und den Consultingmarktplätzen – ihre Wettbewerbsposition nach Einschätzung der Befragten verbessern werden. 49 Prozent sehen eine verbesserte Wettbewerbsposition von IT Consultants, während nur 6 Prozent dies für klassische Managementberater erwarten. Die Consulting 4.0 Studie zeigt auch, dass meisten Beratungsunternehmen durch den Aufbau einer eigenen Consulting-Unit für Digitale Transformation auf die große Nachfrage reagieren.

Schwierige Lage für Commodity-Consulting auf dem deutschen High-End-Beratermarkt

Sicher ist, dass die Aussichten für Berater mit wichtigen Kompetenzen wie Vordenkertum oder mit gefragten Alleinstellungsmerkmalen hervorragend sind.

Hans-Georg Scheibe, ROI

Hans-Georg Scheibe, Vorstand der ROI Management Consultants AG

Hans-Georg Scheibe von ROI sieht die Tagessätze stabil, „wenn man mit dem richtigen Ansatz punkten kann. In Themenbereichen, die vermehrt zu Commodities werden, ist allerdings mit einem starken Preisdruck zu rechnen.“ Sourceforconsulting stuft den deutschen Beratermarkt im internationalen Vergleich als High-End-Markt ein: „this is largely because German clients insist on using consultants to provide high-end strategic advice and specialist skills rather than the more commoditised services, including contingent labour, for which they’re often used elsewhere.“ Angesichts der großen Zahl an Unternehmensberatern und Unternehmensberatungen stellt sich die Lage für Commodity-Beratung also als schlechter dar. Markus Schweizer: „Für ‚mission critical‘ Beratungsprojekte mit gesteigerter Komplexität und entsprechender Differenzierung der Anbieter sind Kunden nach wie vor bereit eine Prämie zu bezahlen, während Beratungsdienstleistungen mit stärkerer Standardisierung einem hohen Preisdruck ausgesetzt sind.“ Es sei denn, sie positionieren sich als Generalunternehmer. „Im Rahmen der durch Digitalisierung oder andere Faktoren getriebenen Unternehmenstransformationen erwarte ich eine besonders große Nachfrage nach integrierten Beratungsleistungen“, so Markus Schweizer. Die verschiedenen benötigten Kompetenzen können laut Schweizer aus einer Hand angeboten werden oder durch einen Generalunternehmer im Rahmen eines Konsortiums mehrerer Beratungsunternehmen geführt und koordiniert werden. Marc Kloepfel Gründer und Geschäftsführer von Kloepfel Consulting: „Bei Themen wie Produktionserweiterungen, Globalisierung und Fachkräftemangel greifen Unternehmen gern auf die Hilfe von Spezialisten zurück. Hier wird sich in diesem Jahr wenig ändern.“

Industrie 4.0 als beherrschendes Beratungsthema für 2016

Marc Kloepfel, Kloepfel Consulting

Marc Kloepfel, Gründer und Geschäftsführer Kloepfel Consulting GmbH

Die Entscheider am Standort Deutschland setzen vor allem auf Industrie 4.0. „Industrie 4.0 sowie immer schneller eintretende globale Veränderungen sind für mich die großen Herausforderungen der Consulting-Branche. Viele Unternehmen wissen heute noch gar nicht, was hinter Industrie 4.0 zu verstehen ist“, so Marc Kloepfel. Daher lautet sein Ziel die Kloepfel Consulting Gruppe für die Herausforderungen der zunehmenden Digitalisierung in der Supply Chain fit zu machen.

Auch Hans-Georg Scheibe wird Beratung für Industrie 4.0 forcieren: „Wir werden die Industrialisierung unserer neu entwickelten Beratungsprodukte im Bereich Digitalisierung und Industrie 4.0 sehr konzentriert vorantreiben.“

Gutes BDU-Geschäftsklima und Wachstumserwartungen von sechs bis acht Prozent für den Gesamtmarkt

Die gerade skizzierten besonderen Branchentrends im Consulting finden in einem sehr freundlichen gesamtwirtschaftlichen Umfeld statt. Marc Kloepfel: „Trotz weltweiter Turbulenzen geht es der deutschen Wirtschaft gut. Auch für das kommende Jahr sehe ich wenig Grund zur Besorgnis – der hohe Dollarkurs und der niedrige Ölpreis tun ihr Übriges. Dies sollte sich auch für die Consulting-Branche positiv auswirken.“ Den Optimismus unterstreicht auch die Geschäftsklima-Befragung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) für das dritte Quartal 2015. 48 Prozent der Unternehmensberater bewerten demnach ihre Geschäftslage Ende September 2015 als gut.

Ed Haigh, Source

Edward Haigh, Director of the business, Sourceforconsulting

Der Indexwert der BDU-Geschäftsklima-Befragung – eine Kombination aus aktueller Geschäftslage und Geschäftsaussichten – ist mit 32,7 auf den höchsten Wert seit dem ersten Quartal 2014 (34,5) gestiegen. Markus Schweizer: „Ich erwarte weiterhin eine starke Nachfrage nach Beratungsleistungen und einen um ca. 6 bis 8 Prozent wachsenden Gesamtmarkt in Deutschland 2016.“

Edward Haigh von Sourceforconsulting sieht in diesem Jahr den deutschen Markt als attraktivsten Beratungsmarkt weltweit: “In addition to its world leading revenues per consultant, the DACH consulting market is also attractive because it’s growing well, and is a market in which the use of consultants is well-established in the minds of clients.“ Blendende Aussichten also für 2016.

Die vollständigen Interviews finden Sie hier:

Interview mit Markus T. Schweizer, EY

Interview mit Marc Kloepfel, Kloepfel Consulting

Interview mit Hans-Georg Scheibe, ROI Management Consulting


Markus Schweizer, EY: „Die Digitalisierung erhöht die Nachfrage nach transformationsbezogener Strategieberatung“

Wie wird das Jahr 2016 aus Sicht der Unternehmensberater? In der Serie von Consultingmarket.de haben wir CEOs renommierter Beratungshäuser zum Beratermarkt befragt.

Markus T. Schweizer, EY

Markus T. Schweizer ist Managing Partner Advisory Services GSA bei EY

Markus T. Schweizer macht den Anfang. Markus T. Schweizer ist Managing Partner Advisory Services bei EY (ehemals Ernst & Young) und für den Bereich Advisory in Deutschland, Österreich und Schweiz des Big4-Unternehmens verantwortlich. Im vergangenen Geschäftsjahr ist der Advisory-Bereich von EY im deutschsprachigen Raum um 13,1 Prozent auf 246 Mio. EUR gewachsen. Zur Zeit arbeiten rund 1.350 Management Consultants in der GSA Advisory von EY, weltweit sind es 35.000 Berater. Auszeichnungen beim Best of Consulting Wettbewerb der Wirtschaftswoche in den Bereichen Supply Chain Management und IT Management zeigen, dass EY in den vergangenen Jahren unter anderem auch durch den Zukauf von J&M Management Consulting zu einer führenden Managementberatung in Deutschland geworden ist.

Interview mit Markus t. Schweizer, Managing Partner Advisory Services, EY

Herr Schweizer, was sehen Sie als großen Trend in der Consulting-Branche 2016?

Markus T. Schweizer: Digitalisierung als Megatrend treibt nicht nur die Veränderung der Geschäftsmodelle unserer Kunden sondern auch die Struktur des Beratungsmarktes. Ich erwarte eine zunehmende Nachfrage nach transformationsbezogener Strategieberatung einerseits, aber auch nach eher operativen Beratungsleistungen in den Bereichen Analytics oder Cyber Security andererseits. Dazu kommen branchenspezifische Beratungstrends, z.B. in Bezug auf den Transformationsbedarf der Energieunternehmen, welcher sich aus der Energiewende in Deutschland ergibt.

Wie erwarten Sie die Nachfrageentwicklung in diesem Jahr?

Markus T. Schweizer: Ich erwarte weiterhin eine starke Nachfrage nach Beratungsleistungen und einen um ca. 6 bis 8 Prozent wachsenden Gesamtmarkt in Deutschland 2016. Im Rahmen der durch Digitalisierung oder andere Faktoren getriebenen Unternehmenstransformationen erwarte ich eine besonders große Nachfrage nach integrierten Beratungsleistungen, wobei die verschiedenen benötigten Kompetenzen aus einer Hand angeboten oder durch einen Generalunternehmer im Rahmen eines Konsortiums mehrerer Beratungsunternehmen geführt und koordiniert werden.

Wie werden sich die Tagessätze aus Ihrer Sicht entwickeln?

Markus T. Schweizer: Aufgrund der anhaltend starken Wettbewerbssituation sehe ich trotz steigender Nachfrage insgesamt keine signifikante Veränderung der durchschnittlichen Tagesraten. Für „mission critical“ Beratungsprojekte mit gesteigerter Komplexität und entsprechender Differenzierung der Anbieter sind Kunden nach wie vor bereit eine Prämie zu bezahlen, während Beratungsdienstleistungen mit stärkerer Standardisierung einem hohen Preisdruck ausgesetzt sind.

Was haben Sie sich persönlich für dieses Jahr vorgenommen?

Markus T. Schweizer: Persönlich habe ich mir vorgenommen, für unsere Advisory Practice die Voraussetzungen zu schaffen, um uns als bevorzugten Anbieter integrierter Transformationsberatungsleistungen zu positionieren. Spezifisch heißt das, dass wir weiterhin gezielt organisch und anorganisch unsere Teams ausbauen und über Partnerschaften mit Dritten unser Beratungs-Ökosystem erweitern werden.

Als nächstes Kurzinterview in der Reihe erscheint ein Interview mit Hans-Georg Scheibe, Vorstand der ROI Management Consulting AG