Inzwischen haben die wichtigsten Analysten des Beratermarkts ihre Studien und Analysen zum deutschen Consulting-Markt veröffentlicht. Consultingmarket.de hat die wichtigsten Ergebnisse von BDU, Lünendonk, Sourceforconsulting und Co. zusammengetragen und daraus die sechs wichtigsten Trends ermittelt:

  1. Vivat, crescat, floreat: Der deutsche Beratermarkt bleibt ein Wachstumsmarkt

Der deutsche Consulting-Markt wächst ungebrochen. 2014 ist der deutsche Beratermarkt mit einem Volumen von 25,2 Milliarden Euro (+6,4 Prozent) drittgrößter Beratermarkt der Welt. Etwa 106.000 Unternehmensberater (+8,3 Prozent) arbeiten laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) in knapp 15.400 Beratungsfirmen. Insgesamt waren rund 130.000 Mitarbeiter in der deutschen Consultingbranche beschäftigt.

Sourceforconsulting kommt auf ähnliche Wachstumszahlen (+6,5 Prozent), beziffert die Größe des Marktes allerdings auf lediglich 8 Milliarden Euro für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Der Ausblick bleibt gut. Insgesamt rechnen die Berater laut Lünendonk für 2015 mit einem Wachstum von mehr als 9 Prozent, die großen Consulting-Unternehmen sogar mit 10,6 Prozent. Die Analysten von Sourceforconsulting prognostizieren eine Steigerung von rund 8 Prozent.

Die aktuellen Marktzahlen für 2015 und Trends für 2016 finden Sie hier: Beratermarkt 2015/2016.

  1. Der Weizen trennt sich vom Spreu: Der Beratermarkt teilt sich zunehmend in innovative Top-Berater und umsetzungsorientierte Commodity-Beratung.

Premium-Marken sind auch in der Beratung erfolgreicher als andere. Die zehn größten deutschen Management-Consultants wie Simon-Kucher und Horvath waren laut Lünendonk 2014 mit einem Umsatzwachstum von 9,2 Prozent noch erfolgreicher als der Markt. Einzige Ausnahme war der dramatische Umsatzeinbruch von Roland Berger mit einem Minus von 25 Prozent. In Summe erzielten die Top 10 der deutschen Managementberatungen mit 7.100 Mitarbeitern 1,1 Milliarden Euro Umsatz im In- und Ausland. Über die größten internationalen Managementberatungen in Deutschland liegen leider keine verlässlichen Angaben vor, da zum Beispiel McKinsey keine Geschäftszahlen publiziert. Sie dürften aber bei etwa 500 bis 600 Millionen Euro liegen.

Damit manifestiert sich ein Trend, den bereits Prof. Dietmar Fink in seinen regelmäßigen Studien festgestellt hat: Vordenkertum wird den Klienten immer wichtiger, Umsetzungsfähigkeit verliert an Bedeutung und ist heute Commodity.

Sourceforconsulting sieht hier eine klare Zweiteilung: „Like many other mature markets, the bifurcation between what we call ‘luxury’ and commoditised consulting is putting pressure on firms that still try to do it all and causing many to consider which part of the market to pursue.“

  1. Der Beratermarkt bleibt fragmentiert: Keine Managementberatung hat mehr als 5 Prozent Marktanteil

Es redet zwar immer noch jeder mit jedem über eine mögliche Fusion, aber zu großen M&A Transaktionen ist es im Jahr 2014 nicht gekommen. Roland Berger ist unabhängig geblieben. Die führende deutsche Beratung muss nun ihre Rolle finden. Denn der Markt hat sich in vier Bereiche aufgespalten: die renommierten internationalen Strategieberater (McKinsey, Boston Consulting und mit etwas Abstand Bain), die internationalen oder regionalen Spezialberatungen (Alix Partners, Simon-Kucher), die Full-Sortimenter (Accenture, PWC) und die kleinen Beratungen oder Freelancer.

Vergleicht man die größten Managementberatungen mit dem Gesamtmarkt, fällt auf, dass es trotz eine gewissen Konsolidierung kein Player auf mehr als 5 Prozent des Gesamtmarktes schafft. Die internationalen Branchengrößen wie McKinsey und BCG erwirtschaften alleine nicht mehr als 3 bis 4 Prozent Marktanteil. Die größten Beratungshäuser aus deutschen Landen stellen zusammen mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro nur 4,4 Prozent des Gesamtmarktes dar.

  1. Technik treibt das Business: Die Consulting-Branche hat einen großen IT-Anteil

IT hat einen hohen Stellenwert im Beratermarkt, so ist der Markt für IT-Consulting deutlich größer als der für Managementberatung. In Summe erwirtschafteten die Top-25-IT-Beratungen laut Lünendonk 9,8 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland (2013: 9,5 Milliarden Euro). Sie decken damit etwa ein Viertel des deutschen IT-Dienstleistungsmarktes ab. Insgesamt beschäftigten die Top 10 der IT-Berater in Deutschland 33.639 Mitarbeiter – deutlich mehr als die zehn größten deutschen Managementberater mit rund 7.100 Mitarbeitern.

Es überrascht, dass es immer noch diese starke Trennung zwischen IT- und Management-Consulting gibt. Denn in den vergangenen Jahren wird das eine ohne das andere immer schwieriger. D.h. Business Consulting ohne IT Kompetenz bzw. IT Consulting ohne Verständnis der Geschäftsprozesse sind heute undenkbar. Vor allem vor dem Hintergrund der Digitalisierung.

  1. Die Digitalisierung ist ein Mega-Trend – meist nur in der Theorie, aber neue digitale Unternehmensberatungen entstehen

„Die Digitalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen in der deutschen Wirtschaft und Industrie beflügeln zunehmend die Geschäftsentwicklung der Unternehmensberaterbranche“, so der BDU. Allerdings sehen die Analysten von Sourceforconsulting diesen Trend skeptischer: „There’s a lot of talk about digital and what it means for clients in the DACH region, but little has translated into action yet. Clients here are particularly interested in ‘digital on the inside’ and what Industry 4.0 can mean for them, but the role of consultants here is to make the market, to turn that talk into solid projects and programmes.“

Das gleiche gilt übrigens bei der Digitalisierung der Beratungsunternehmen selbst. Es werden fleißig Tochtergesellschaften, Digital Labs, Digital Think Tanks sowie Geschäftseinheiten für Digitale Themen gegründet, in der Nutzung digitaler Technologie bleiben die meisten Unternehmensberatungen allerdings hinter ihren amerikanischen Wettbewerbern oder auch ihren innovativen Klienten zurück, das hat nicht zuletzt eine Analyse zur Nutzung von Social Media in Managementberatungen von consultingmarket.de gezeigt.

Gerade in den vergangenen Monaten entstehen neue digitale Unternehmensberatungen wie die NEWCOVENTURE (das startup des Blog-Autors), COMATCH, Project Champs, The Vetted. Hier wird wahrscheinlich ein eigenes Segment von Consulting 4.0 Firmen heranwachsen. Die digitalen Unternehmensberatungen werden – zumindest laut NEWCOVENTURE – konsequent auf das Internet als Vertriebs- und Rekrutierungskanal setzen und durch Anwendung digitaler Technologie die Beratungsqualität sowie die Effizienz der internen Prozesse verbessern.

  1. Der War for talents tobt – klassische Unternehmensberatungen konkurrieren bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter immer mehr mit Industrieunternehmen, Spezialberatungen und Netzwerken.

Der Beruf des Unternehmensberaters scheint ein wenig an Glanz verloren zu haben – nicht zuletzt weil es inzwischen viele Consultants gibt und die Arbeit in der Industrie sich mit spannenden Projekten und einer ausgeprägten Reisetätigkeit angeglichen hat. Dabei benötigen die Beratungsunternehmen weiterhin gute Mitarbeiter. „Die Beratungen hätten teilweise noch stärker wachsen können, allerdings geht der Fachkräftemangel auch nicht spurlos an den Beratungsunternehmen vorbei. Über 90 Prozent der für die Lünendonk®-Studie befragten 67 Beratungen sehen in der Rekrutierung von geeigneten Fachkräften die größte Herausforderung für ein noch stärkeres Wachstum heute und in den kommenden Jahren“, kommentiert Jonas Lünendonk, geschäftsführender Gesellschafter und Studienautor, die Situation.

Auch der Consulting-Monitor 2015 von Odgers Berndtson unterstreicht die nachlassende Attraktivität der Consulting-Karriere. Viele der befragten Senior-Berater liebäugeln mit einem Wechsel in die Industrie (67 Prozent). Daneben hat auch die Arbeit als Freelancer deutlich an Attraktivität gewonnen: Im Vergleich zu 2014 konnte diese flexible Arbeitsform um sechzehn Prozentpunkte gewinnen und liegt mit 38 Prozent nun auf dem dritten Platz der angestrebten Positionen. „Dieser Trend verstärkt sich, wenn die junge Beratergeneration mit dem Wunsch nach flexibleren Arbeitsbedingungen auf höhere Transparenz und geringere Risiken im Freelance-Markt stößt. Neuartige Online-Freelance-Marktplätze beabsichtigen, in diesem Kontext einen Mehrwert zu liefern“, sagt Daniel Nerlich, Manager bei Odgers Berndtson und Leiter der jährlichen Studie.

Fazit: Die Berater müssen nicht nur die Probleme ihrer Klienten lösen, sondern auch ihr eigenes Geschäftsmodell überdenken. Denn die wichtigsten Herausforderungen sind Digitalisierung, Commoditisierung, Konsolidierung und Fachkräftemangel. Sicher scheint nur eines zu sein – dass der Beratermarkt weiter wächst.

Die aktuellen Zahlen zum Beratermarkt für 2015 / 2016

Die aktuellen Marktzahlen für 2015 und Trends 2016 finden Sie hier: Beratermarkt 2015/2016.

Die wichtigsten Studien zum Beratermarkt und der Consulting-Branche

Die Presseinformation zum deutschen Beratermarkt des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU

Die Presseinformation zu den Top-Managementberatungen von Lünendonk

Die Publikation von Sourceforconsulting

Die Managementberatungs-Studie von Prof. Fink und dem Manager Magazin

Der Consulting-Monitor von Odgers Berndtson

DACH Consultingmarket 2015, Video mit Ed Haigh, Director von Source

 

Weitere Artikel zum Thema Unternehmensberatung

Das Handelsblatt über die Digitalisierung in der Beratung

Der Tagesspiegel zum Beratermarkt

Die FAZ über McKinsey