DER DEUTSCHE BERATERMARKT WÄCHST – SECHS TRENDS IM CONSULTING 2015

Der deutsche Beratermarkt gehört mit einem Volumen von 27 Milliarden Euro und 106.000 Consultants zu den bedeutendsten Consulting-Märkte weltweit. Aufgrund der starken industriellen Basis  der deutschen Wirtschaft haben die Unternehmensberatungen hierzulande einen starken Fokus auf Industriebranchen, auf industrielle Wertschöpfungsketten und Industrie 4.0.

Nachfolgend hat Consultingmarket.de die wichtigsten Zahlen und Fakten von BDULünendonkSourceforconsulting und Co. zusammengetragen. Wir sehen insgesamt sechs wichtige Trends für den deutschen Beratermarkt:

  1. Der deutsche Beratermarkt bleibt auf dem Wachstumspfad

Seit vielen Jahren wächst der deutsche Consulting-Markt ungebrochen. Im Jahr 2014 ist der deutsche Beratermarkt mit einem Volumen von 27,0 Milliarden Euro (+7 Prozent) drittgrößter Beratermarkt der Welt nach den USA und Großbritannien. Laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) arbeiten etwa 106.000 Unternehmensberater (2015) in den knapp 15.400 Beratungsfirmen. Insgesamt waren rund 130.000 Mitarbeiter in der deutschen Consultingbranche beschäftigt.

Umsatzentwicklung Consulting Markt in Deutschland

Der deutsche Beratermarkt wächst seit Jahren stetig

 

Auf ähnliche Wachstumszahlen (+6,5 Prozent) kommen die britischen Analysten von Sourceforconsulting. Sie beziffern die Größe des Marktes allerdings auf lediglich 8 Milliarden Euro für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Der Ausblick bleibt auch für die Zukunft gut. Insgesamt rechnen die Unternehmensberater laut den Branchenanalysten von Lünendonk für 2015 mit einem Wachstum von mehr als 9 Prozent. Die großen Consulting-Unternehmen sind mit Erwartungen von 10,6 Prozent noch optimistischer. Auch die Analysten von Sourceforconsulting prognostizieren eine Steigerung von rund 8 Prozent für das Jahr 2015.

  1. Top oder Hop: Der Beratermarkt differenziert sich zunehmend in innovative Top-Berater und umsetzungsorientierte Commodity-Beratung.

Auch in der Beratung sind Premiummarken erfolgreicher als andere. So waren laut Lünendonk die zehn größten deutschen Management-Consultants wie Simon-Kucher und Horvath im Jahre 2014 mit einem Umsatzwachstum von 9,2 Prozent noch erfolgreicher als der Markt. Der dramatische Umsatzeinbruch von Roland Berger mit einem Minus von 25 Prozent bildet hier eine absolute Ausnahme. Die Top 10 der deutschen Managementberatungen erwirtschafteten mit 7.100 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro im In- und Ausland. Über die größten internationalen Managementberatungen in Deutschland liegen leider keine verlässlichen Angaben vor, da sie keine Geschäftszahlen publizieren oder diese für Deutschland nicht nachvollziehbar sind. Das Manager Magazin hat in seiner Ausgabe 12/2015 aus internen Quellen für das Deutschland-Geschäft von McKinsey einen Umsatz von 860 Mio. Dollar recherchiert. Dies entspricht rund 780 Mio. Euro.

Die überdurchschnittlichen Wachstumszahlen bei den großen Managementberatungen und den spezialisierten Beratungsboutiquen unterstreicht einen Trend, den bereits Prof. Dietmar Fink in seinen regelmäßigen Studien festgestellt hat: Vordenkertum basierend auf innovativen Konzepten und fundierten Studien wird Klienten immer wichtiger. Die reine Umsetzungsfähigkeit ist weiterhin wichtig, verliert jedoch an Bedeutung und wird heute als Commodity angesehen.

Sourceforconsulting sieht hier eine klare Zweiteilung: „Like many other mature markets, the bifurcation between what we call ‘luxury’ and commoditised consulting is putting pressure on firms that still try to do it all and causing many to consider which part of the market to pursue.“

  1. Der Beratermarkt bleibt fragmentiert: Keine Managementberatung hat mehr als 5 Prozent Marktanteil

Zu großen M&A Transaktionen auf dem Beratermarkt ist es weder im Jahr 2014 noch 2015 gekommen. Es redet zwar immer noch jeder mit jedem über eine mögliche Fusion, aber die Übernahmewelle aus dem Jahr 2013, als Ernst & Young J&M übernommen hatte, blieb aus. Roland Berger ist unabhängig geblieben. Die führende deutsche Beratung war nach schwierigen Jahren und permanenten Übernahmegerüchten in eine schwere Krise gestürzt und muss nun unter ihrem CEO Charles-Edouard Bouée ihre neue Rolle finden. Der Consultingmarkt hat sich in vier Bereiche aufgespalten: die renommierten internationalen Strategieberater (McKinsey, Boston Consulting und mit etwas Abstand Bain), die internationalen oder regionalen Spezialberatungen (Alix Partners, Simon-Kucher, Zeb), die Full-Sortimenter (Accenture, Deloitte, EY, KPMG, PWC) und die kleinen Beratungen oder Freelancer.

Trotz einer gewissen Konsolidierung fällt auf, dass es keine Managementberatung auf mehr als 5 Prozent des Gesamtmarktes schafft. Selbst die internationalen Branchengrößen wie McKinsey und BCG erzielen jeweils nicht mehr als 3 Prozent Marktanteil. Selbst die 10 größten Beratungshäuser aus deutschen Landen stellen laut Lünendonk zusammen mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro nur 4,4 Prozent des Gesamtmarktes dar.

  1. Technik treibt das Business: Die Consulting-Branche digitalisiert sich

Die IT hat einen hohen Stellenwert für den Beratermarkt. Der Markt für IT-Consulting ist deutlich größer als der für Managementberatung. Insgesamt beschäftigten die Top 10 der IT-Berater in Deutschland 33.639 Mitarbeiter – deutlich mehr als die zehn größten deutschen Managementberater mit rund 7.100 Mitarbeitern. In Summe erwirtschafteten die Top-25-IT-Beratungen laut Lünendonk 9,8 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland (2013: 9,5 Milliarden Euro). Sie decken damit etwa ein Viertel des deutschen IT-Dienstleistungsmarktes ab.

 

Consulting und Freelancing Volume in Germany

 

Es überrascht, dass es immer noch diese starke Trennung zwischen IT- und Management-Consulting gibt. Hier ist vor allem auch das Verhalten der Einkaufsabteilungen zu sehen, unterschiedliche Kategorien und Preisvorgaben für Management- und IT-Consulting zu führen. Allerdings fällt eine Unterscheidung in Zeiten Digitaler Transformation immer schwieriger. D.h. Business Consulting ohne IT Kompetenz bzw. IT Consulting ohne Verständnis der Geschäftsprozesse sind heute undenkbar. Es bleibt abzuwarten, wann die Klienten dies honorieren.

  1. Die Digitalisierung ist – zumindest theoretisch – ein Mega-Trend

„Die Digitalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen in der deutschen Wirtschaft und Industrie beflügeln zunehmend die Geschäftsentwicklung der Unternehmensberaterbranche“, so der BDU. Allerdings sehen die Analysten von Sourceforconsulting diesen Trend skeptischer: „There’s a lot of talk about digital and what it means for clients in the DACH region, but little has translated into action yet. Clients here are particularly interested in ‘digital on the inside’ and what Industry 4.0 can mean for them, but the role of consultants here is to make the market, to turn that talk into solid projects and programmes.“

Das gleiche gilt übrigens bei der Digitalisierung der Beratungsunternehmen selbst. Es werden fleißig Tochtergesellschaften, Digital Labs, Digital Think Tanks sowie Geschäftseinheiten für Digitale Themen gegründet, in der Nutzung digitaler Technologie bleiben die meisten Unternehmensberatungen allerdings hinter ihren amerikanischen Wettbewerbern oder auch ihren innovativen Klienten zurück, das hat nicht zuletzt eine Analyse zur Nutzung von Social Media in Managementberatungen von consultingmarket.de gezeigt.

Gerade in den vergangenen Monaten entstehen neue digitale Unternehmensberatungen wie die NEWCOVENTURE (das startup des Blog-Autors), COMATCH, Project Champs, The Vetted oder Expert360. Hier wächst ein eigenes Segment von Consulting 4.0 Firmen heran. Die digitalen Unternehmensberatungen werden – zumindest laut NEWCOVENTURE – konsequent auf das Internet als Vertriebs- und Rekrutierungskanal setzen und durch Anwendung digitaler Technologie die Beratungsqualität sowie die Effizienz der internen Prozesse verbessern.

  1. Der War for talents tobt – das Ende des Traumjobs Unternehmensberater.

Der Beruf des Unternehmensberaters hat ein wenig an Glanz verloren – nicht zuletzt weil es inzwischen sehr viele Consultants gibt und nicht mehr diese Exklusivität hat. Außerdem hat sich die Arbeit in der Industrie mit spannenden Projekten und einer ausgeprägten Reisetätigkeit an das Beraterleben angeglichen. Der Bedarf an guten Mitarbeitern ist ungebrochen bei den Beratungsunternehmen. „Die Beratungen hätten teilweise noch stärker wachsen können, allerdings geht der Fachkräftemangel auch nicht spurlos an den Beratungsunternehmen vorbei. Über 90 Prozent der für die Lünendonk®-Studie befragten 67 Beratungen sehen in der Rekrutierung von geeigneten Fachkräften die größte Herausforderung für ein noch stärkeres Wachstum heute und in den kommenden Jahren“, kommentiert Jonas Lünendonk, geschäftsführender Gesellschafter und Studienautor, die Situation.

Der Consulting-Monitor 2015 von Odgers Berndtson belegt die nachlassende Attraktivität der Consulting-Karriere – und hat in diesem Jahr damit einige Schlagzeilen gemacht. Für die High Potentials sind Startups inzwischen attraktiver als Strategieberatungen. Auch viele der befragten Senior-Berater sehen ihre Zukunft am liebsten außerhalb des Consultings und liebäugeln mit einem Wechsel in die Industrie (67 Prozent). Daneben hat auch die Arbeit als freiberuflicher Berater  deutlich an Attraktivität gewonnen: Diese flexible Arbeitsform liegt nun mit 38 Prozent auf dem dritten Platz der angestrebten Positionen. „Dieser Trend verstärkt sich, wenn die junge Beratergeneration mit dem Wunsch nach flexibleren Arbeitsbedingungen auf höhere Transparenz und geringere Risiken im Freelance-Markt stößt. Neuartige Online-Freelance-Marktplätze beabsichtigen, in diesem Kontext einen Mehrwert zu liefern“, sagt Daniel Nerlich, Manager bei Odgers Berndtson und Leiter der jährlichen Studie.

Fazit: Vorerst keine Grenzen des Wachstums

Die Unternehmensberater müssen nicht nur die Probleme ihrer Klienten lösen, sondern auch ihr eigenes Geschäftsmodell überdenken. Sie tun dies bereits sehr intensiv. Denn die wichtigsten Herausforderungen wie Digitalisierung, Commoditisierung, Konsolidierung und Fachkräftemangel sind im Consulting spürbar. Eine Blaupause für das Consulting 4.0 gibt es noch nicht. Sicher scheint nur eines zu sein – dass der Beratermarkt weiter wächst.

Die wichtigsten Studien zum Beratermarkt und der Consulting-Branche

Die Presseinformation zum deutschen Beratermarkt des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU

Die Presseinformation zu den Top-Managementberatungen von Lünendonk

Die Publikation von Sourceforconsulting

Die Managementberatungs-Studie von Prof. Fink und dem Manager Magazin

Der Consulting-Monitor von Odgers Berndtson

DACH Consultingmarket 2015, Video mit Ed Haigh, Director von Source

Weitere Artikel zum Thema Unternehmensberatung

Das Handelsblatt über die Digitalisierung in der Beratung

Der Tagesspiegel zum Beratermarkt

Die FAZ über McKinsey