Beratung ist people business. Das sieht man wieder einmal an einem Beitrag des Manager Magazins über die Transformation von Kienbaum Consultants International. Das Intro lautete, „Paukenschlag bei Kienbaum: Das Beratungsunternehmen trennt sich von seinem langjährigen Vize. Jürgen Kunz, seit fast zehn Jahren Geschäftsführer der Kienbaum Holding GmbH und stellvertretender Geschäftsführungsvorsitzender der Kienbaum Consultants International (KCI) soll das Unternehmen verlassen.“ Dabei steckte die wirklich wichtige Information für den Beratermarkt nicht in der Personalie, sondern am Ende des Artikels. Denn Kienbaum plant sich ganz neu aufzustellen, sich zu modernisieren und zu digitalisieren. Ein Kienbaum 2.0 sozusagen.

Fabian Kienbaum, der Sohn des Gründers Jochen, steht damit im wahrsten Sinne des Wortes für den Generationenwechsel. Er kümmert sich derzeit um die Digitalisierungsstrategie von Kienbaum und leitet den Berliner Standort. Mehr Startup-Mentalität, digitaler, offener und flexibler soll die HR Beratung werden. Das mag auch wirtschaftliche Gründe haben, weil Kienbaum im klassischen Geschäft der Personalsuche mit Rückgängen zu kämpfen hat. Der Umsatz lag 2015 laut Manager Magazin bei 110 Millionen Euro fünf Millionen Euro unter dem Vorjahr. Und auch die Zahl der Mitarbeiter sank auf aktuell knapp 650.

Wie so oft, ist es leichter in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, eine radikale Transformation des Unternehmens zu initiieren. Und dass die Beratungsbranche sich ein Stück weit neu erfinden muss, darüber gibt es in der Branche wenige Zweifel. Wenn nun ein Kind des Gründers diese Transformation erfolgreich managt, legitimiert er den zukünftigen Generationenwechsel an der Spitze ganz hervorragend. Der Plan erscheint schlüssig, das Timing ist gut. Die Ausgangslage für die Kienbaum Consultants ist also nicht schlecht.

Wichtig ist nur, dass dieser Wandel nicht Fassade bleibt. Also nicht so wie beim Kienbaum Web-Auftritt, dessen Startseite zwar ansprechend modernisiert wurde, aber bei einem Klick auf die Unterseiten die alte Welt zum Vorschein bringt. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie das Traditionshaus Kienbaum die digitale Transformation – und den Generationenwechsel – meistert.