Zur Zeit haben Medien Probleme mit der Glaubwürdigkeit. Laut einer repräsentativen Forsa Umfrage im Oktober 2015 stimmte fast jeder zweite Deutsche (44 Prozent) ganz oder teilweise dem „Lügenpresse“-Vorwurf zu. Bei Wirtschaftsmedien wurde schon länger die Unabhängigkeit von der Elite aus Wirtschaft und Politik bezweifelt, zu sehr sind in Teilen der Fachpresse Anzeigenabteilungen und Redaktionen verflochten, zu schwierig ist in manchen Verlagshäusern die wirtschaftliche Situation. Advitorials, redaktionelle Berichterstattungen der verlagseigenen Events oder Interviews mit Anzeigenkunden sind für manche kleineren Titel eher die Regel als die Ausnahme.

Wer nun nach einigen wohlwollenden Artikeln zu McKinsey gedacht hatte, dass das Manager Magazin zum Kundenmagazin der Meckies avanciert, war überrascht vom Dezember-Aufmacher zu den innenpolitischen Machtspielen zwischen US-Amerikanern und Deutschen innerhalb der „Firm“. Aber auch sonst gelingt es dem Manager Magazin unter Chefredakteur Steffen Klusmann, die nötige Distanz zu wahren.

In der aktuellen Ausgabe finden sich erneut zwei kritische Beiträge über Consulting-Unternehmen. So sollen führende Manager von Capco durch trickreiche Gestaltung erfolgsabhängiger Gehaltsbestandteile Steuern in beträchtlicher Höhe hinterzogen haben, schreibt das Manager Magazin in seiner Januar-Ausgabe. Aber auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Umfeld des Unternehmensverkaufs der Mibrag ist für das Manager Magazin Anlass für einen kritischen Blick auf goetzpartners, die Unternehmensberatung von Stephan Goetz. Ob etwas an den Vorwürfen dran ist – und wenn ja, was genau passiert ist, darauf sind die Leser schon gespannt.

Doch auch wenn die Vorfälle etwas dramatisch dargestellt worden wären, sich der Brei schnell abkühlt, ist es aber schon jetzt beruhigend, dass es den investigativen Journalismus in der Wirtschaftspresse weiterhin gibt. Unabhängige Journalisten erfüllen nicht nur ihr gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Sie machen ein Wirtschaftsmagazin erst richtig spannend. Neben den volkswirtschaftlichen Trendthemen und Lifestyle-Strecken sind es genau diese Blicke hinter die Hochglanz-Fassade der Unternehmen, die das Manager Magazin so lesbar machen. So hat der hochwertige Printjournalismus auch in Zeiten der vielen Special Interest Blogs weiterhin seine Daseinsberechtigung.