Für moderne Unternehmen ist es heute eine Selbstverständlichkeit Unternehmensberater zu engagieren. In der öffentlichen Verwaltung sorgt das Engagement von Consultants allerdings immer noch regelmäßig für Diskussionen. So berichtete das Magazin Cicero, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bei der Bewältigung der Asylanträge auf zahlreiche externe Berater von McKinsey, Roland Berger und EY setzt. Allerdings seien die Aufträge nicht ausgeschrieben worden. Laut Vergaberecht ist dies für Aufträge bis 240.000 Euro auch möglich. Ein weiterer Vorwurf war, dass die Berater mit dem Taxi anreisten. Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit und nun auch Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) setzt schon seit mehreren Jahren verstärkt auf Unternehmensberater, u.a. beim Umbau der Arbeitsagentur.

Kritik an Beauftragung von McKinsey in Berlin

Schlagzeilen machte die Zusammenarbeit mit McKinsey auch in Berlin. Dort hatte McKinsey das Landesamt für Gesundheit und Soziales unbezahlt mit bis zu fünf Consultants bei bei der Verbesserung der Abläufe rund um die Flüchtlingsregistrierung und -integration unterstützt. Teil des Pro-Bono-Teams war auch Sebastian Muschter, der im Januar das Amt des Lageso-Chefs kommissarisch für neun bis zwölf Monate übernommen hat und seitdem beim Land Berlin auf der Payroll steht. Muschter hatte übrigens schon Frank-Jürgen Weise beraten. Inzwischen hat McKinsey allerdings sein Engagement für das Land Berlin beendet, weil der Vorwurf der Vetternwirtschaft erhoben wurde. McKinsey hatte sich an der Erstellung des „Masterplans für Integration und Sicherheit“ beteiligt und für dieses Projekt den früheren Staatssekretär Lutz Diwell (SPD) engagiert. Der Auftrag hatte ein Gesamtvolumen von 238.000 Euro. Der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning (SPD), vergab den Beratungsauftrag für den Integrationsplan direkt ohne Ausschreibung, was von Seiten der CDU und der Grünen kritisiert wurde.

Verteidigungsministerium investiert Millionenbetrag in externe Consultants

Etwas weiter im Berliner Bendlerblock wurde kürzlich ebenfalls ein Beratervertrag unterzeichnet, wie in Spiegel Online zu lesen war. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen holt sich externes Know-how ins Haus. Für mehr als 200 Millionen Euro sollen in den nächsten drei Jahren Consultants neue Rüstungsvorhaben vorab überprüfen, Risiken einschätzen und Machbarkeitsanalysen anfertigen. Federführend beteiligt an dieser Maßnahme war laut Spiegel Online von der Leyens Staatssekretärin Katrin Suder. Suder ist seit August 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung und war zuvor 14 Jahre für McKinsey tätig, wo sie zuletzt die Beratungssparte Öffentlichen Sektor leitete. „Im Zuge dieser Tätigkeit betreute sie federführend unter anderem die Bundesagentur für Arbeit, diverse Bundesministerien sowie führende europäische Konzerne aus den Bereichen Telekommunikation, Software und Informationstechnologie“, heißt es auf den Seiten des Verteidigungsministeriums über ihr Engagement bei den Meckies.

Angesichts des besonderen öffentlichen Interesses und der Eigenheiten des Politikbetriebes ist es für Beratungsunternehmen also ratsam, die Beauftragungen im Öffentlichen Sektor sehr transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Sonst findet man sich plötzlich mitten in einer politischen Auseinandersetzung wieder und erntet schlechte Presse. Dabei hat McKinsey durch seine Unterstützung in der Flüchtlingskrise und seine Pro-Bono-Arbeit eigentlich das Gegenteil beabsichtigt (und verdient).

Quellen:

Teure Unternehmensberater in der Asylverwaltung, Beitrag in Cicero vom 24. März 2016

Die wichtigsten Antworten zum McKinsey-Lageso-Eklat, Artikel aus der Berliner Zeitung vom 19. März 2016

Rüstungsprojekte: Von der Leyen engagiert teure Berater-Armee, Spiegel Online vom 16. März 2016