Beratungsunternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind auf sehr gute und qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Eine aktuelle Studie des Berliner Beratungsunternehmens Trendence unter Hochschulabsolventen und Young Professionals in der aktuellen Ausgabe des Manager Magazins deckt hier allerdings Risiken vor allem für Wirtschaftsprüfer auf.

Wirtschaftsprüfer bei den Absolventen top

Die Big 4 punkten zwar besonders bei den Hochschulabsolventen und können sich Spitzenplätze sichern: PWC mit Platz 9, EY 12, KPMG 16 und Deloitte immerhin noch mit Platz 32. Allerdings tritt dann bei den Wirtschaftswissenschaftlern im Job Ernüchterung auf, so dass das Ranking bei den Young Professionals anders aussieht: PWC 14, EY 21, KPMG 30, Deloitte 69. Zum Vergleich verbessern sich die Strategieberater McKinsey von 13 auf 4, BCG von 18 auf 6, Bain von 65 auf 25 und Roland Berger von 61 auf 39. Auch ein großes Beratungsunternehmen wie Accenture steigt von Rang 61 unter den Hochschulabsolventen auf Platz 16 bei den Young Professionals.

Trendence Studie Manager Magazin

PWC, EY, KPMG und Deloitte sind bei den Hochschulabsolventen top, bei den young professionals eher nicht

Attraktivität der Big 4 sinkt mit der Berufserfahrung

„Mehr Augenhöhe, weniger Hierarchie. Das ist dringend nötig, denn Image und Realität klaffen in kaum einer anderen Branche so stark auseinander wie bei den Wirtschaftsprüfern“, schreibt Klaus Werle in seinem Artikel. Der Trendence-Geschäftsführer Holger Koch wird wie folgt zitiert: „EY und andere sind typische Karrieresprungbretter.“ Für viele seien klassische Berater nach einigen Jahren attraktiver. Die geringe Attraktivität von Wirtschaftsprüfern für erfahrene Berater deckt sich auch mit den Ergebnissen des Consulting Monitors von OdgersBerndtson. Insbesondere für Senior Consultants stehen spezialisierte Beratungen höher im Kurs.

Besonders spannend ist zu sehen, in welchen Kriterien sich das Bild einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verschlechtert. Hatten Absolventen besonders für Gehalt und Karriereperspektiven hohe Punktzahlen vergeben, so gehen diese bei den Berufserfahrenen deutlich zurück. Besonders gering sind sie in – für die Generation Y wichtigen – Kriterien Innovation und Work-Life-Balance.

Marktpositionierung von EY, PWC, KPMG und Deloitte ist sehr stark

Ist nun alles schlecht bei den Big4? Globale Präsenz, ein breites Kompetenzspektrum und ein exzellenter Ruf bei Entscheidern sind die strategischen Trümpfe von EY, KPMG, PWC und Deloitte. Sie stechen auch, wie man an den guten Wachstumszahlen ablesen kann. Nachdem die großen Vier ihre Consulting-Expertise gestärkt haben, sind sie jetzt gefordert, ihre Unternehmenskultur zu modernisieren. Dabei helfen die wachsenden Advisory-Units und die zugekauften Beratungsteams. Andererseits wird es mit der klassischen Pyramidenstruktur schwierig werden, weil sie zu einem ausgeprägten Statusdenken und Besitzstandswahrung verleitet.

Es wird spannend zu sehen, welche Rezepte die Wirtschaftsprüfer in den kommenden Jahren entwickeln, um junge Talente mit digitaler Kompetenz zu gewinnen und zu halten, sich als Unternehmen selbst zu digitalisieren und zu flexibilisieren, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, am Markt und auf dem Bewerbermarkt gleichermaßen.

Gute Nachrichten für BCG, McKinsey und Co.

Und die positive Nachricht für klassische Beratungsunternehmen. Berufserfahrene sehen Consulting als attraktiven Beruf an. Die Reputation, welche die Strategieberater früher bei den Absolventen hatten, holen sie sich nach wenigen Jahren bei den erfahrenen Young Professionals wieder.